Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 23.09.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

»Das war kein schlechtes 0:3«

Couragiert verlor Turbine Potsdam das Topspiel der Bundesliga der Frauen
Von Oliver Rast
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Lobte vor allem die Defensivarbeit: Turbine-Trainer Matthias Rudolph

Größer als sonst war der Andrang, viel Kabellage musste verlegt werden. Gleich zwei TV-Sender übertrugen am Sonnabend das Spitzenspiel der Fußballbundesliga der Frauen aus dem Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg. Der 1. FFC Turbine empfing den VfL Wolfsburg, das Nonplusultra an Kader, Etat und oft auch Spielwitz. 0:3 hieß es nach 90 Minuten. Der Klassenbeste VfL bleibt verlustpunktfrei mit nur einem Gegentor Erster, die Turbinen drohen den Anschluss zur Tabellenspitze zu verlieren.

Die letzte von bisher sechs deutschen Meisterschaften der Turbinen konnte im Jahr 2012 gefeiert werden. Seitdem machen Wolfsburg und FC Bayern den Titel unter sich aus. In den vergangenen drei Spielzeiten triumphierte der VfL vor dem FCB. Turbine beendete die Liga auf Platz drei, vier und zuletzt wieder drei.

Es folgte ein drastischer Umbruch. Im Sommer verließen Stützen wie Svenja Huth und Felicitas Rauch den Klub Richtung Wolfsburg. Neun neue Spielerinnen musste Chefcoach Matthias Rudolph in den Kader integrieren. Drei Eigengewächse schafften den Sprung in die erste Auswahl. Und Turbine ist zur Kaderschmiede slowenischer Talente geworden, allen voran Sturmspitze Lara Prasnikar.

Drei Ligapartien hatte der FFC in der jungen Saison vor dem Match gegen den VfL absolviert. Nach einer knappen Auswärtsniederlage gegen die früheren Dauerrivalinnen vom 1. FFC Frankfurt (2:3) wurden zwei Pflichtaufgaben gelöst: 6:2 gegen die Aufsteigerinnen vom FF USV Jena, 2:1 beim 1. FC Köln.

Im Spiel gegen die Kickerinnen aus der Autostadt klingelte es nun bereits drei Minuten nach Anpfiff im Turbine-Kasten von Vanessa Fischer. Unbedrängt traf VfLerin Sara Gunnarsdottir vom Rande des 16ers mit einem Aufsetzer ins untere linke Eck. Wenig später setzte Ewa Pajor (VfL) einen Heber an die Unterlatte, die Turbine-Abwehr konnte den Ball von der Linie ins Feld bugsieren. Die Wolfsburgerinnen dominierten, die Potsdamerinnen rackerten in der Defensive. Einen strittigen Handelfer drosch VfL-Kapitänin Pernille Harder am Turbine-Gehäuse vorbei. Der Ausgleich für Turbine war drin: Eine von Nina Ehegötz eingeleitete Ballstafette über Anna Gasper zu Prasnikar endete über dem Querbalken (42. Minute). Halbzeit.

Die Gastgeberinnen kamen robuster aus der Kabine. Die Rudolph-Elf drängte auf den Ausgleich, das Tor aber machten die Gegnerinnen. Pajor zog trocken im Strafraum ab, der Ball zappelte im Netz. Einige Minuten später geriet Rudolph in Rage: Elfer oder nicht? Schiedsrichterin Susann Kunkel verlegte den Tatort vor den Strafraum. Prasnikar zirkelte den Freistoß an den Pfosten. Schlussakkord: Gunnarsdottir staubte in der 90. Minute zum 3:0-Endstand ab.

Rudolph sammelte seine Spielerinnen direkt nach dem Abpfiff am Mittelkreis. »Ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass das kein schlechtes 0:3 war«, erklärte er später gegenüber jW. Man habe gegen ein absolutes Topteam couragiert gespielt, vor allem defensiv.

Ehegötz blickte auf harte Zweikämpfe mit ihrer Exkollegin Rauch zurück: »Mal hat sie den kürzeren gezogen, mal ich«, sagte die Potsdamer Stürmerin nach dem Spiel in der Kantine gegenüber jW. VfL-Coach Stephan Lerch haderte mit der Chancenverwertung in der ersten Viertelstunde der Partie: »Gerne schießen wir die Tore auch früher.« Turbine-Präsident Rolf Kutzmutz zeigte sich trotz des Rückschlags zuversichtlich: »Wir wollen in der Spitze der Liga spielen.« Das Potential haben die jungen Turbinen allemal.

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