Gegründet 1947 Montag, 21. Oktober 2019, Nr. 244
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 19.09.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Elfer üben

Champions League: BVB hadert mit unglücklichem 0:0 gegen Barcelona, Leipzig feiert Auftaktsieg
RTX73DTC.jpg

Marco Reus knallte seine blaue Trinkflasche zornig auf den Rasen, den Applaus für eine starke zweite Halbzeit holte er sich sichtlich widerwillig ab. Es dauerte, bis beim Kapitän und seinen Mitspielern von Borussia Dortmund die Enttäuschung verflogen war – und bis langsam der Stolz aufkam. »Wie das Gefühl ist? Ehrlich gesagt: scheiße«, sagte Reus, der beim 0:0 gegen die Weltstars des FC Barcelona mit einem Elfmeter am durchweg überragenden Barca-Schlussmann Marc-André ter Stegen gescheitert war (57. Minute). Sein Ausbruch kam direkt nach dem Abpfiff eines Spiels, in dem der BVB den spanischen Giganten kurz vor dem Sturz hatte, aber dann doch die Nerven verlor.

»Ich gehe mit dem Gefühl nach Hause, dass wir es verpasst haben, uns in der Gruppe einen kleinen Puffer zu erarbeiten«, betonte der ebenfalls ganz starke Mats Hummels. Reus fasste den Spielverlauf perfekt zusammen. »Wir hatten die größeren Möglichkeiten. Insbesondere ich.« Sein Elfmeter? »Schlecht geschossen.« Doch neben Reus, der weitere großartige Chancen hatte, hätten auch Jadon Sancho und der ehemalige Barca-Stürmer Paco Alcácer treffen können. Julian Brandt hämmerte zudem einen Fernschuss an die Latte (77.). Dennoch bedeutet das Unentschieden in der schwierigen Gruppe F mit Slavia Prag und Inter Mailand einen wichtigen Bonuspunkt. Der kommende Gegner Slavia (2. Oktober) holte in Mailand am Dienstag überraschend ein 1:1, was durchaus im Sinne des BVB war.

Ganz im Sinne von RB Leipzig war der starke Auftritt bei Benfica Lissabon. Doppeltorschütze Timo Werner schielte nach dem 2:1 sogar auf den Gruppensieg. »Wir wollen als Tabellenerster weiterkommen, wenn es möglich ist«, sagte der 23jährige. Eine Utopie ist das keinesfalls. Schon gar nicht, wenn Werner zu Hause gegen Olympique Lyon (2. Oktober) und Zenit St. Petersburg (23. Oktober) erneut so zündet wie beim portugiesischen Rekordmeister. Gegen den bewies Leipzig im ersten Durchgang, dass es wie gewohnt kompakt zu verteidigen weiß. Im zweiten Abschnitt, als Werner in der 69. und 78. Minute vollstreckte, zeigte sich dann auch der Offensivgeist, der unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann herrscht. Dass es nach dem 1:2 durch Haris Seferovic (84.) noch einmal eng wurde, kann da als »Lerneffekt« (Nagelsmann) verbucht werden.

Auch Reus bleibt optimistisch: »Spätestens am Donnerstag ist der Kopf sowieso wieder oben.« Denn der BVB hat sich aus seiner ersten kleinen Krise der Saison überzeugend befreit. Dieselbe Mannschaft, die vor zweieinhalb Wochen noch blamabel bei Union Berlin verloren hatte, drückte den großen FC Barcelona phasenweise an die Wand. Der Sieg gegen Bayer Leverkusen (4:0) und nun das »positive 0:0« (Trainer Lucien Favre) lassen auf eine starke Saison hoffen. »Wenn wir mit der Einstellung, Aggressivität und Freude in jedes Spiel gehen, mache ich mir keine Sorgen«, sagte Reus. Zudem hat er sich noch etwas vorgenommen: »Elfmeter üben.« (sid/jW)

Mehr aus: Sport