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10.09.2019, 19:39:05 / Inland

Pflege Schwerkranker: Kritik an Spahn wächst

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Mit 19 ins Heim? Eltern künstlich beatmeter Kinder kritisieren Spahns Pläne

Berlin. Die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die Pflege schwerkranker Menschen mit künstlicher Beatmung stoßen auf immer mehr Kritik. Die Bundesärztekammer mahnte am Dienstag weitere Ausnahmen an, um die Selbstbestimmung aller Patienten zu erhalten. Es sei grundsätzlich zu befürworten, dass außerklinische Intensivpflege in der Regel in Pflegeeinrichtungen oder speziellen »Pflege-WGs« erbracht werden solle. Es sollten aber Ausnahmen für Erwachsene in heimischem Umfeld möglich sein.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz untermauerte ihren Protest. Alle Versorgungsformen müssten gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die Bundesärztekammer warnte, die jetzigen Pläne würden bestimmte Patientengruppen durch den »rigiden Ausschluss einer häuslichen Versorgung« in der Möglichkeit einer selbstbestimmten und frei gewählten Lebensführung einschränken. Die geeignete Wohnform und die nötige Versorgungsform sollten aber gemeinsam mit den Patienten ermittelt werden, auch vor dem Hintergrund der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. »Dies darf nicht auf bestimmte Altersgruppen beschränkt werden«, heißt es in einer Stellungnahme für eine Anhörung zum ersten Entwurf des Ministeriums an diesem Mittwoch.

Die Stiftung Patientenschutz betonte, es brauche eine hohe Qualität in der ambulanten Intensivpflege von mehr als 30.000 Patienten. Mit dem Gesetzentwurf greife Spahn aber tief in die Freiheitsrechte der schwerst kranken Menschen ein, wenn damit die Intensivpflege in den eigenen vier Wänden praktisch verhindert werde. »Dies ist für die Patienten und ihre Angehörigen untragbar«, sagte Vorstand Eugen Brysch. (dpa/jW)