Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 13.09.2019, Seite 16 / Sport
MMA

In einer anderen Liga

Mixed Martial Arts: Chabib Nurmagomedow ist seit elf Jahren ungeschlagen
Von Rouven Ahl
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Wer ist dieser Chuck Norris? Auch Chabib Nurmagomedow (r.) beherrscht den Roundhouse-Kick (hier trifft es Dustin Poirier, 7.9.)

Der Adler, er fliegt wieder: Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Chabib Nurmagomedow, Spitzname: Eagle (Adler), verteidigte am Samstag seinen UFC-Titel im Leichtgewicht gegen Dustin Poirier. Bereits in der dritten Runde – in der UFC (Ultimate Fighting Championship) wird über fünf Runden mit jeweils fünf Minuten gekämpft – beendete der Russe das ungleiche Duell per Aufgabegriff.

Für Nurmagomedow war es die erfolgreiche Rückkehr in den Käfig. Neun Monate durfte er aufgrund einer Sperre nicht antreten. Die hatte er sich nach dem Kampf gegen Conor McGregor im vergangenen Oktober eingehandelt, als er dessen Team attackierte und es anschließend zu einer Massenschlägerei kam. Während Nurmagomedows unfreiwilliger Pause errang der US-Amerikaner Poirier den Status des Interimschampions im Leichtgewicht. Doch auch Poirier musste im direkten Aufeinandertreffen feststellen, dass Nurmagomedow derzeit einfach in einer anderen Liga spielt: 28 Siege in 28 Kämpfen zeugen dabei von einer vorher nicht gekannten Dominanz eines Kämpfers in der UFC. Nurmagomedow ist damit seit elf Jahren ungeschlagen.

Was den 30jährigen aus den Bergen der Republik Dagestans im Nordkaukasus so gefährlich macht, sind seine Fähigkeiten als Ringer. Immer wieder bringt er seine Gegner auf den Boden und zwingt sie mit seiner beeindruckenden Griffkraft zur Aufgabe. Nurmagomedow ist keine schillernde Figur wie ein Conor McGregor, dessen Gehabe er verabscheut. Er ist ein gläubiger Muslim, für den die Familie über alles geht. Er postet auf seinen Social-Media-Accounts gerne Sprüche aus dem Koran und weigert sich, während des Ramadan zu kämpfen. Doch der Schein trügt. .

So wurde im August 2018 ein Video veröffentlicht, in dem ein Bruder von Nurmagomedow einen Obdachlosen für Geld Liegestütze machen lässt. Im Hintergrund steht der lachende UFC-Kämpfer. Zum Bild des demütigen Muslim, das er gerne von sich zeichnet, will das nicht passen. Zudem wird Nurmagomedow eine Nähe zum autoritär regierenden tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow nachgesagt, der leidenschaftlicher Kampfsportfan ist. Die muslimische Welt liegt ihm dennoch zu Füßen. »Er erreicht eine andere Art von Klientel, aus dem Nahen Osten, die ihn vergötternde muslimische Welt. Er ist eine Ikone«, sagt zum Beispiel der ehemalige UFC-Kämpfer Georges St-Pierre der Plattform »Ran fighting« über Nurmagomedow.

Es ist daher sicher kein Zufall, dass dessen Comebackkampf in Abu Dhabi stattfand, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Dana White, Präsident der UFC, möchte die Popularität von Nurmagomedow unter Muslimen nutzen, um möglichst viel Geld mit ihm zu verdienen. Da ist es White und der UFC auch recht, mit Kadyrow gemeinsame Sache zu machen. Dieser hat mittlerweile seine eigene MMA-Organisation WFCA gegründet, die der UFC als Zulieferer von Kämpfern dient.

Für muslimische Kampfsportler ist natürlich Chabib Nurmagomedow das große Vorbild, der rein sportlich eine Ausnahmeerscheinung ist. Bereits als kleiner Junge wurde er von seinem Vater Abdulmana trainiert, der in Abu Dhabi das erste Mal bei einem UFC-Kampf in der Ecke seines Sohnes stand. Ein Video aus Kindheitstagen zeigt den kleinen Chabib sogar dabei, wie er mit einem jungen Bären kämpft. Immerhin das Tier konnte ihn damals schlagen.

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