Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 13.09.2019, Seite 16 / Sport
Eishockey

Endlich wieder mithalten

Die Eisbären Berlin starten mit großen Zielen in die neue Spielzeit
Von Oliver Rast
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Sind im Soll: Coach Serge Aubin (M. vorne) mit seinen Alt- und Jungeisbären

Erfolge verblassen rasch. Oder können Sie sich an den letzten Meistertitel der Eisbären Berlin in der Deutschen Eishockeyliga (DEL) erinnern? Den holten sie 2013. Die vergangene Saison verlief über weite Strecken desaströs, vor allem die Hauptrunde. Nach einer Pleitenserie übernahm Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer das Amt an der Bande, eine Interimslösung bis Saisonende. Nach einem Schlussspurt, fünf Siege in sechs Spielen, rangierten die Eisbären auf Platz neun im Endklassement. Die Straubing Tigers waren in der Playoff-Vorrunde keine Hürde, der damals amtierende Meister EHC Red Bull München im Viertelfinale schon, er bedeutete das Aus für die Berliner nach sechs aufopferungsvollen Partien.

Tief war der Umbruch im Sommer, das zeigten die Transfers: 14 Spieler haben den Klub verlassen. Mancher Abgang geht an die Vereinsidentität, der von Jens Baxmann etwa. Alle sieben DEL-Meistertitel holte der Verteidiger aus Wernigerode im Eisbären-Dress. 18 Jahre lang und in 860 DEL-Partien stand er für sie auf den Kufen. Einen neuen Vertrag bekam er nicht mehr. Baxmann ist beim Ligakonkurrenten Iserlohn Roosters untergekommen.

Richer, nach der Verpflichtung von Neucoach Serge Aubin wieder »bloß« Sportdirektor, sprach auf einer Pressekonferenz am Mittwoch mittag auf jW-Nachfrage von »unpopulären Entscheidungen«, die seitens der Klubführung getroffen wurden, um das neu zusammengesetzte Team wieder in die Erfolgsspur zu führen. Zur Personalie Baxmann wollte er sich nicht äußern – nur soviel: »Das war unser Weg, uns zu verjüngen.« Eishockey sei ein »Time-to-Time-Business«, sagte Richer, ein Saisonziel gab er trotzdem aus: »Wir wollen direkt in die Playoffs, unter die Top vier, das muss unser Anspruch sein.« Aubin sekundierte: »Die Mannschaft ist dort, wo ich sie haben wollte, wir sind im Plansoll.«

Das kann die Fanszene nicht behaupten. Der Treff »Fanbogen« am S-Bahn-Drehkreuz Warschauer Straße wurde demontiert, der neue Standort ein paar Meter weiter ist eine Brache. »Es ist für uns frustrierend, dass wir die zehnte Saison seit Gründung des Fördervereins Fanbogen e. V. nun erst mal ohne Vereinsheim beginnen müssen,« schrieb die »Bogen-Crew« in einer jüngst veröffentlichten Erklärung. Völlig unklar sei, wann mit der Aufstellung der Container am vorgesehenen Platz begonnen werde. Eisbären-Geschäftsführer Peter-John Lee zeigte sich gegenüber jW engagiert: »Wir haben lange nach Lösungen gesucht und gehofft, zu Beginn der neuen Saison einen Fantreff zu haben.« Das Problem: Berlin sei nicht für schnelle Genehmigungsverfahren bekannt, so Lee. Aber: »Wir bleiben dran.«

Maxim Lapierre ist der prominenteste Neuzugang. Der 34jährige Routinier hat satte 700 NHL-Spiele auf dem Buckel, spielte zuletzt im Schweizer Tessin beim HC Lugano. Das Konzept »Alt und Jung« verkörpern er und Lukas Reichel, 17. Aubin: »Extreme Gegensätze, die in der Kabine zusammensitzen.« Lapierre habe Reichel unter seine Fittiche genommen. Die Jungspunde bauen Druck gegenüber den Arrivierten auf, wollen ihnen Einsatzzeiten streitig machen. Trotz des internen Wettbewerbs: »Die Eisbären sind ein Team«, betonte der Coach.

Jonas Müller, Berliner Eigengewächs, Olympiasilbermedaillengewinner 2018 und Abwehrrecke, räumte auf der Pressekonferenz anfängliche Abstimmungsschwierigkeiten auf dem Eis ein. »Das ist normal, wir mussten uns erst finden, wer in den Reihen mit wem am besten agieren kann.« Jetzt sei er einfach nur froh, dass die Liga am Freitag abend startet. Los geht’s heute in der Arena am Ostbahnhof gegen die Grizzlys Wolfsburg.

Schon Ende September muss die Aubin-Truppe auswärts bei den Titelfavoriten Adler Mannheim (Meister) und RB München (Vize) auflaufen. Lee: »Wir wollen mithalten, die ganze lange Saison über.« Gelingt das, gelingt auch irgendwann wieder eine Meisterschaft.

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