Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 13.09.2019, Seite 15 / Feminismus
Verbindende Klassenpolitik

Vernetzungstreffen mit Festcharakter

Feminist-Futures-Festival in Essen: 100 Veranstaltungen bis einschließlich Sonntag
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Klassenfragen gehören mit der Frage nach Geschlechtergerechtigkeit zusammengedacht (Berlin, 8.2.2019)

Über Themen wie bezahlte und unbezahlte Arbeit, Familienpolitik, reproduktive Gerechtigkeit und sozial-ökologische Transformation wollen sich bis zu 1.500 Menschen auf dem Feminist-Futures-Festival in Essen austauschen, das am Donnerstag nachmittag im ehemaligen Steinkohlebergwerk Zeche Zollverein begonnen hat. Bis einschließlich Sonntag stehen mehr als 100 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Workshops, Podiumsdiskussionen, Theater, Filmvorführungen und Partys.

Organisiert wurde das Festival von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Netzwerk Care Revolution und dem Leipziger Konzeptwerk Neue Ökonomie.

»Weltweit gewinnen feministische Bewegungen an Stärke und schlagen einen immer radikaleren Kurs ein: Lautstark und vielfältig stellen sie sich dem neoliberalen Ausverkauf des Gesundheitssystems und schlechten Arbeitsbedingungen entgegen. Sie kämpfen gegen sexuelle Gewalt, rassistische Ausgrenzungen und die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Sie treten für soziale Gerechtigkeit als Grundlage für Selbstbestimmung über ihren Körper und ihr Leben ein«, erklären die Veranstalter auf der Internetseite feministfutures.de.

Die Schreibweise Feminist*innen, mit der auf Flyern und im Netz zu dem Festival eingeladen wird, bedeutet in diesem Fall, dass sich neben Frauen, Lesben, Trans- und Intersexuellen auch »Cis-Männer« angesprochen fühlen dürfen, deren soziales Geschlecht mit dem auf der Geburtsurkunde übereinstimmt. Allerdings steht ihnen nur einer der beiden Zeltplätze offen, auf denen Teilnehmende für zehn Euro übernachten können.

Rund 1.400 Personen hatten sich bis Mittwoch nach einem Bericht der Taz schon angemeldet – zumindest die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Gelände sind damit ausgeschöpft. »Wir haben offenbar einen Nerv getroffen«, sagte die Organisatorin Alex Wischnewski dem Blatt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenlos – je nach individueller Kassenlage sind aber Spenden erwünscht.

Ziel des Austauschs und der Vernetzung sei es, wie in anderen Teilen der Welt »feministische und queerfeministische Anliegen mit konsequenter Kapitalismuskritik und Klassenpolitik« zu verbinden, betont das Organisationsteam. »Auch wir wollen in dieser Richtung weiterkommen. Um die Bewegungen zu stärken und weiterzuentwickeln, brauchen wir Orte für Debatten, um voneinander zu lernen.«

Drei Personen werden auf der Internetseite des Orgateams als »Brückenbauer*innen« vorgestellt, die mögliche Konflikte zwischen Teilnehmenden in produktive Bahnen lenken sollen.

Die Begründung: »Häufig bewegen wir uns in Räumen, in denen alle irgendwie so sind wie wir selbst. Das ist auch gar nicht verwunderlich, denn selbst wenn wir daran arbeiten, das aufzubrechen, dann können wir die Spaltungen, die Sexismus, Rassismus und Kapitalismus jeden Tag aufs neue herstellen, nicht einfach überwinden.« (jW)

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