Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Dienstag, 17. September 2019, Nr. 216
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 12.09.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
»Sozialpartnerschaft«

Kungeln mit den Bossen

IG Metall und Autokonzerne fordern gemeinsam Staatshilfen
Von Susan Bonath
IG_Metall_Hofmann_be_60061236.jpg
IG-Metall-Chef Jörg Hofmann beim Warnstreik der Beschäftigten von Bosch (Januar 2018)

Seit Monaten prophezeien Ökonomen eine neue Finanzkrise. Die ressourcenintensive Autobranche steckt schon mittendrin. Konzerne wie Volkswagen, Ford, Audi, Opel und andere kündigten bereits Kurzarbeit und Stellenabbau an. Continental-Chef Elmar Degenhart will notfalls ganze Sparten abstoßen, wie er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) sagte. Und während die Konzernspitzen auf der Frankfurter Automesse IAA vom Staat den Investitionstropf fordern, der sie – wieder einmal – aus den selbstproduzierten kapitalistischen Verwerfungen erretten möge, scheitern die Vorstände der Industriegewerkschaft Metall an dem sich zuspitzenden Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit.

Die IG Metall beteiligt sich dieser Tage an der bundesweiten »Woche der Industrie«. Sie will »die Transformation im Sinne der Beschäftigten gestalten«. Die Industrie müsse »Klimaschutz mit Wachstum und Beschäftigung verbinden«, forderte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft Jörg Hofmann im Vorfeld. Träger der Veranstaltungen ist das Bündnis »Zukunft der Industrie«. Dort praktiziert die Gewerkschaft ihre seit Jahrzehnten hochgehaltene Sozialpartnerschaft mit dem Kapital. »Seit 2015 arbeiten wir darin mit 16 Partnern aus Industrie- und Arbeitgeberverbänden, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zusammen«, lobte Hofmann. Vor allem junge Menschen sollen dort nach seiner Ansicht »die Innovationskraft der Industrieunternehmen kennenlernen und erfahren, wie sie davon im Alltag profitieren«. Sie könnten dort »entdecken, welche Berufsperspektiven es gibt und welchen gesellschaftlichen Beitrag der Sektor liefert«.

Die IG Metall hat die Krise der Autoindustrie schon länger auf dem Schirm. In einem ist sich Hofmann mit den klagenden Konzernchefs einig: Der Staat soll helfen. Während die Industrie nach Fördermitteln für Investitionen ruft, plädierte der Gewerkschaftsfunktionär bereits im Frühjahr für eine neue Form des Kurzarbeitergeldes. Diese Finanzspritzen sollen es Betrieben ermöglichen, »bei Strukturumbrüchen ihre Mitarbeiter umzuschulen, ohne dass sie arbeitslos werden«, wie es ein Konzept der IG Metall vorsieht. Hofmann rechnet mit dem Wegfall von bis zu 150.000 Arbeitsstellen, weil bei der Produktion von Elektroautos weniger Beschäftigte notwendig seien. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnete in einer Studie vom Dezember 2018 mit dem Wegfall von etwa 114.000 Jobs alleine in der Autobranche.

Ähnliche:

  • Es geht um ihre Zukunft: IG Metallerinnen und Metaller ziehen am...
    29.06.2019

    IG Metall macht mobil

    Gewerkschaft demonstriert für Klimaschutz und Arbeitsplatzgarantie. Jeder zweite Betrieb in der Autoindustrie gefährdet
  • Strom »tanken«: Gewerkschaft will Autobranche beim Umstieg auf E...
    19.06.2019

    IG Metall sucht Investoren

    Gewerkschaft macht sich für Finanzierung von Autozulieferern stark
  • IG Metall kämpft um Erhalt der Arbeitsplätze: Produktionshalle d...
    08.10.2018

    Jobs »mutwillig« gefährdet

    IG Metall drängt auf Verkauf der Neue Halberg-Guss GmbH und wirft den Chefs des Autozulieferers unverantwortliches Handeln vor

Mehr aus: Schwerpunkt