Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 12.09.2019, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Offerte aus China

Börse Hongkongs will LSE kaufen

London Stock Exchange spricht von einer »nicht erbetenen« Offerte
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Anzeigetafel in der London Stock Exchange im Juni 2019

Ob das ein günstiger Zeitpunkt war? Mitten im vom Westen protegierten Kampf gegen die VR China um die Zukunft Hongkongs hat der dortige Börsenbetreiber ein Übernahmeangebot für die London Stock Exchange (LSE) abgegeben. Die Hongkong Exchanges and Clearing Limited (Hkex) bietet 31,6 Milliarden Pfund (knapp 35,5 Milliarden Euro) für den Londoner Konkurrenten, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Sie will beide Börsen vereinen, 29,6 Milliarden Pfund zahlen sowie zwei Milliarden Pfund Schulden übernehmen.

Diese Offerte sei »nicht erbeten«, monierten die Londoner. Die LSE werde sie aber prüfen. Die Briten sind derzeit mit der Übernahme des US-Finanzdatendienstleisters Refinitiv beschäftigt, einem Deal von umgerechnet 24,5 Milliarden Euro. Die Kartellbehörden prüfen das Vorhaben und auch die LSE-Aktionäre müssen noch zustimmen. Mit Refinitiv will die LSE der New Yorker Finanznachrichtenagentur Bloomberg Konkurrenz machen.

Die Hkex ging in ihrem Angebot für die LSE auf dieses Geschäft nicht ein und betonte statt dessen, sie habe mit dem Kauf der London Metal Exchange im Jahr 2012 die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes London gestärkt. Mit der Fusion der beiden Handelsplätze entstünde eine »weltweite Präsenz (…), die die etablierten Märkte des Westens und die sich entwickelnden Finanzmärkte des Ostens, insbesondere Chinas, verbindet«.

Die Nachrichtenagentur AFP zitierte am Mittwoch einen begeisterten »Analysten«: Die Chancen einer solchen Fusion seien »riesig«, da sich beide Handelsplätze ergänzten. Die Hürden seien aber groß, vor allem mit Blick auf die »politische Frage« der historischen Beziehung zwischen Großbritannien und Hongkong.

Andere Experten halten eher den Standort Singapur für geeignet, falls in London nach dem Brexit die Lichter ausgehen sollten – wovon kaum auszugehen ist. Zuvor hatte auch die Deutsche Börse zweimal versucht, sich bei den Londonern einzukaufen. Die EU-Kommission untersagte den letzten Versuch 2017, während ein erster Anlauf 2005 von britischen Hedgefonds torpediert worden war. (AFP/jW)

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