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Aus: Ausgabe vom 11.09.2019, Seite 16 / Sport

Große Erleichterung

Von André Dahlmeyer
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Wie man die Welt mit einer Nullnummer langweilt: River Plate gegen Boca Juniors, 1. September 2019, Buenos Aires

Einen wunderschönen guten Morgen! Internacional aus Porto Alegre, das Team des Ex-Wolfsburgers Andrés D’Alessandro, und Atlético Paranaense, das noch immer auf die Begleichung einer immensen Handyrechnung des ehemaligen Trainers Lothar Matthäus wartet, haben sich für die beiden Finalspiele der Copa do Brasil qualifiziert. Der Sieger dieses 180-Minuten-Kampfes sichert sich ein Starterkit für die Copa Libertadores 2020, den Vorzeigewettbwerb des Subkontinents.

Inter ließ in den Halbfinals nichts anbrennen. Nachdem die »Colorados« bereits das Hinspiel im Mineirão Belo Horizontes, dem Lieblingsstadion der Gebrüder Grimm, eines tapferen oder toughen Schneiderleins und der deutschen »Mannschaft« gegen Cruzeiro Belo Horizonte durch einen späten Treffer von Edenilson mit 1:0 gewonnen hatten, war der Rückkampf nur noch Formsache. Nach zwei Treffern des Ex-Hamburgers Paolo Guerrero und einem weiteren durch Edenilson hakten die Gastgeber das Match im hauseigenen Beira-Rio gegen den Rekordgewinner der Copa mit einem rotundenten 3:0 ab und zogen erstmals nach einer Dekade in die Finals ein. Für Inter eine große Erleichterung, nachdem der Klub in den Viertelfinals der Libertadores von Flamengo ausgeschaltet worden war und im aktuellen Brasileirão mit neun Punkten Rückstand auf Tabellenanführer Flamengo (sic!) nur auf Rang sechs liegt – immerhin aber noch der letzte, der für die Libertadores qualifiziert.

Nachdem Paranaense das Hinspiel in Porto Alegre gegen Grêmio mit 0:2 verloren hatte, gewann das Team im Rückkampf in der Arena da Baixada von Curitiba mit demselben Resultat nach Treffern von Nikão und des Ex-Rivers Marco Ruben, und das bereits kurz nach dem Pausen-Churrasco. Also Elfertreten. Paranaense verwandelte alle, und Keeper Santos konnte den zuletzt getretenen von Pepé abwehren. Das war’s. Immerhin, nachdem Bahia in den Viertelfinals der Libertadores von Intern rausgeworfen wurde, darf der Henker des HSV in den Semis zweimal gegen Flamengo antreten.

Das Finalhinspiel der Copa do Brasil findet heute, am Geburtstag von Franz Anton Beckenbauer, Deutscher Meister 1982 mit dem HSV, in Curitiba statt. Nächsten Mittwoch ist Rückkampf.

Nachdem am vorvergangenen Weekend River Plate und Boca Juniors die Welt mit einer Nullnummer langweilten (nichts gegen Nullnummern, aber die war wirklich langweilig), machte es am Donnerstag die argentinische »Albiceleste« in den USA beim freundschafteln gegen die chilenische »Roja« nicht besser. Wieder null null, und freundlich ausgedrückt fünfzehn interessante Minuten der Silberländer in der ersten Halbzeit. Der Rest fürs Vergessen.

Lieblicher war der Auftritt der Auswahl Ecuadors – Interimstrainer ist der Argentinier Jorge Célico –, die sich ebenso komplett in Neuformierung befindet. Sie spielte in New Jersey gegen Perú und gewann mit einem Treffer von Erick Castillo, der bei Santos Laguna in México kickt, mit 1:0. Von Anpfiff an standen zwei U-20-Südamerikameister auf dem Platz – Verteidiger Diego Palacios und Angreifer Gonzalo Plata. Später kamen auch noch zwei der neuen Helden, José Cifuentes und Goalgetter Leonardo Campana. Nachdem diese neue, junge und wilde Generation sich noch am letzten Spieltag der Eliminatorias für die Russland-WM gezwungen sah, bestochen worden zu sein, ist da jedenfalls fußballerisch wirklich wieder Neuland zu sehen. Die Teilnehmer an der WM in Russland und Vizemeister der Copa América waren ihnen jedenfalls nicht gewachsen.

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