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Aus: Ausgabe vom 11.09.2019, Seite 8 / Ansichten

18 Jahre Zerstörung

Afghanistan und der Westen
Von Jörg Kronauer
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Regierungstruppen vor Gefecht mit Kämpfern der Taliban (Kundus, 31.8.2019)

Der Krieg geht weiter: Soviel ist klar nach der Mitteilung von US-Präsident Donald Trump, die Verhandlungen mit den Taliban über ein Friedensabkommen für Afghanistan seien »tot«. Bereits am Wochenende konnten die Taliban verkünden, sie hätten einen Bezirk im Norden der Provinz Kundus eingenommen, in der einst die Bundeswehr ein Feldlager unterhielt. Am Dienstag folgte der nächste Bezirk, diesmal weiter östlich. Dass sie ohne weiteres zu größeren militärischen Operationen in der Lage sind, hatten die Islamisten zuletzt Ende August bewiesen, als sie urplötzlich größere Teile der Provinzhauptstadt Kundus eroberten. Zwar konnten sie sie nicht halten, doch die Warnung saß. Seien die USA nicht mehr zu Verhandlungen bereit, werde man eben weiterkämpfen, erklärte jetzt ein Taliban-Kommandeur trocken. Daran, dass die Milizionäre ihren Worten weitere Taten folgen lassen werden, besteht kaum ein Zweifel.

Man könnte die nächste Verlängerung des Krieges am Hindukusch aus strategischer Perspektive betrachten und käme dann wohl zu dem Ergebnis, Trump habe soeben eine Art »Obama-Erlebnis« gehabt. Bereits der Amtsvorgänger des New Yorker Immobilienoligarchen hatte sich bemüht, die US-Truppen aus den Kriegen im Nahen und Mittleren Osten heimzuholen. Der Grund: Washington braucht sämtliche Kräfte, um sie für den Machtkampf gegen China bereitzuhalten. Obama sprach im Jahr 2011 noch wohltönend vom »Schwenk nach Asien«. Trump plant – etwas derber –, Mittelstreckenraketen rings um China zu stationieren. Auch er versucht in Nah- und Mittelost den Friedensfürsten zu mimen und die US-Streitkräfte aus den Kriegen dort heimzuholen, um sie stärker in Richtung Asien-Pazifik zu orientieren. Auch er scheitert daran. US-Außenminister Michael Pompeo hat am Sonntag nicht umsonst nachgeschoben, man könne die Verhandlungen mit den Taliban ja bald wieder aufnehmen. Ob diese sich nach Trumps Absage dazu breitschlagen lassen, wird man sehen.

Jenseits der Schachbretter, auf denen Politstrategen kühlen Kopfes blutige Züge ziehen, bleibt freilich festzuhalten: Der Krieg am Hindukusch, den die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten kurz nach dem 11. September 2001 starteten und den sie in besinnungsloser missionarischer Selbstgewissheit als heroischen Kampf für Frieden und Freiheit verkauften, er ist nicht nur gescheitert, er hat Afghanistan fast 18 Jahre Blut und Elend eingebrockt. Allein die Zahl der unmittelbaren zivilen Todesopfer wird oft mit über 30.000 beziffert; vermutlich sind es viel mehr. Immense materielle Zerstörungen aller Art kommen hinzu. Der Westen hat, nicht anders als im Irak und in Libyen, in der Phase seiner größten Macht zwischen dem Zerfall der Sowjetunion und dem Aufstieg Chinas bewiesen: Zerstören kann er, mehr allerdings nicht. Es ist Zeit, daraus die Konsequenzen zu ziehen, das Morden zu beenden.

Debatte

  • Beitrag von josef w. aus H. (11. September 2019 um 13:02 Uhr)
    Alle gegen Donald

    Die Anschläge vom 11. September 2001 waren eine große Tragödie. Der größte Teil der Welt hatte Mitgefühl mit der US-amerikanischen Bevölkerung und vor allem mit den Opfern des Terrors. Doch seitdem hat sich das Land nur zum Schlimmsten hin entwickelt und mehr oder weniger den gesamten Erdball in Unsicherheit und Chaos gestürzt.

    Die internationale Sicherheitsstruktur auf der Grundlage von Abrüstung und Rüstungskontrolle wurde systematisch fragmentiert. Washington lebt von seiner militärischen und wirtschaftlichen Dominanz, die es in der Vergangenheit aufgebaut hat, und schafft neue Unzufriedenheit und Hass in allen Regionen der Welt. Seine politischen Entscheidungsträger verfolgen eine irrationale Strategie, indem sie den amerikanischen Nationalismus anstacheln und ihre Vasallen, Verbündeten und sonstigen Abhängigen in einen mörderischen und selbstmörderischen Krieg gegen China und Russland, aber auch gegen jedes Land, das sich dem Hegemon widersetzt, hineinziehen. Es darf keine Frage sein, ob sich konservative und national gesinnte politische Kräfte an dem Kampf gegen diese verhängnisvolle Weltmacht mit allen fortschrittlichen und linken Kräften vereinen können und müssen.

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