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Aus: Ausgabe vom 05.09.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Infrastruktur

Berliner Verhältnisse in Dubai

BER lässt grüßen: Großprojekt Flughafen Al Maktoum wird vorerst auf Eis gelegt
Von Gerrit Hoekman
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Entspannte Kamele statt 250 Millionen Passagieren: Ausbau des Flughafens Al-Maktum in Dubai vorerst auf Eis gelegt (Dschebel Ali, 5.11.2007)

Was haben Berlin und Dubai gemeinsam? Einen Flughafen, der nicht fertig wird. Bloomberg berichtete am Wochenende unter Berufung auf anonyme Quellen online, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) den Ausbau des Flughafens Al Maktoum vorerst auf Eis gelegt haben. Dem reichen Ölstaat wird das Projekt allmählich zu teuer. Der Angriffskrieg im Jemen frisst eben viel Geld.

Die VAE verabschieden sich damit von ihrem hochfliegenden Plan, aus Dubai einen Knotenpunkt des internationalen Luftverkehrs zu machen, wenn nicht sogar den Knotenpunkt schlechthin. Mindestens 250 Millionen Passagiere sollten pro Jahr das Drehkreuz passieren. Das wären leicht mehr als auf allen deutschen Airports zusammen. Sechs Start- und Landebahnen sollten eine zügige Abwicklung sicherstellen.

Die Gegenwart ist indes bescheiden. Al Maktoum oder Dubai World Central, wie der Flughafen offiziell heißt, verzeichnete im vergangenen Jahr nur rund 900.000 Passagiere. Zum Vergleich: Münster/Osnabrück schaffte 2018 eine Million. Bislang fliegen nur elf Fluggesellschaften den Airport an, der 2013 für Passagierflüge eröffnet wurde. Dubai International, den zweiten Flughafen, nutzen im Jahr zuletzt 88 Millionen Reisende.

Allerdings ist der Ausbau von Al Maktoum noch nicht gestorben. Die VAE haben das anvisierte Ende der ersten Bauphase, die 36 Milliarden Dollar kosten soll, bereits im Oktober um fünf Jahre auf 2030 verschoben, wie Bloomberg berichtete. Bitter für die heimische Airline »Emirates«, den Weltmarktführer bei Langstreckenflügen. Ein Ziel war es nämlich, durch zwei neue Terminals die Marktposition der Staatslinie zu festigen. Die mehr als 100 Airbus-Flugzeuge vom Typ A 380 hätten auf dem neuen Gelände Platz gehabt.

Um diese Flotte zu füllen, fehlen aber in der Region die Passagiere, Emirates braucht nämlich internationale Kunden. »Die Airline tut sich schwer, neue Verbindungen aufzubauen. In den USA etwa wehren sich die heimischen Fluggesellschaften massiv gegen das immer tiefere Eindringen der Golfairlines, zu denen auch Etihad und Katar Airways zählen«, beschrieb das Handelsblatt am Dienstag ein Problem des Konzerns. Im Geschäftsjahr 2018/19 ist das operative Ergebnis um 35 Prozent auf 610 Millionen Euro gefallen.

Aufgeschoben ist so gut wie aufgehoben, könnte es im Fall Al Maktoum heißen, denn die Wirtschaft der VAE befindet sich gerade in einer Delle. Das Wachstum war 2018 mit 3,5 Prozent das geringste seit 2010. »Ausgerechnet ein Jahr vor der ersten Expo-Weltausstellung in einem arabischen Land, beginnt Dubai merklich zu schwächeln«, kommentierte das Handelsblatt die Lage.

Vorboten für das, was in Zukunft noch auf die VAE zukommen wird, deren Reichtum auf den endlichen Rohstoffen Öl und Gas basiert. Der Ölpreis war in jüngster Vergangenheit niedrig, das macht sich in der Staatskasse deutlich bemerkbar. Für die Zukunft setzen die Emirate als Alternative zum Öl auf den Tourismus als Einnahmequelle. Doch die Zahl der Gäste stagniert laut Bloomberg seit 2017. Der Golf gilt heute wieder einmal als unsichere Region angesichts des Dauerstreits mit dem Iran und des Boykotts gegen Katar.

Hinzu kommt der Jemen-Krieg, in dem die VAE seit 2015 an der Seite Saudi-Arabiens kämpfen. Was als schneller Sieg geplant war, hat sich längst zu einem militärischen und finanziellen Fiasko für die Emirate entwickelt. Wie Reuters im Juni meldete, haben sie begonnen einen Teil ihrer Truppen still und leise abzuziehen.

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