Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 23.08.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Wettbewerb

Lamento über geplatzte Fusion

Thyssen-Krupp reicht nach Scheitern des Tata-Deals Klage gegen EU-Kommission ein
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Betriebsräte von Thyssen-Krupp beraten sich nach geplatzter Fusion in Duisburg (14.5.2019)

Die Fusion von Thyssen-Krupp und Tata hätte den zweitgrößten Stahlkonzern Europas mit rund 48.000 Mitarbeitern und mit Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden schmieden können. Doch dann kam die Absage der EU-Kommission – der Zusammenschluss sei untersagt worden, um ernsthaften Schaden von europäischen Industriekunden und Verbrauchern abzuwenden. Eine herbe Klatsche für Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der Thyssen-Krupp explizit als einen der deutschen Konzerne benannt hatte, die es im Wettstreit mit den USA und China aufnehmen sollten.

Nun will der Thyssen-Krupp-Konzern die Entscheidung der EU-Kommission gegen die Fusion seiner Stahlgeschäfte mit Tata Steel Europe nicht einfach so hinnehmen. Das Essener Unternehmen reichte nach eigenen Angaben am Donnerstag Klage beim Gericht der Europäischen Union ein. Die Pläne seien zwar gescheitert, aber die Entscheidung der EU sei falsch gewesen, und die Begründung wolle man nicht so stehenlassen.

Grund für den Stopp der Fusion waren Auflagen der EU-Kommission, die die beiden Konzerne nicht erfüllen wollten, weil sie dadurch ihr Einsparungspotential in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr gefährdet sahen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte im Juni die Gründe erläutert: »Da keine Abhilfemaßnahmen angeboten wurden, die geeignet gewesen wären, unsere schwerwiegenden Wettbewerbsbedenken zu zerstreuen, hätte der Zusammenschluss zwischen Tata Steel und Thyssen-Krupp zu einem Anstieg der Preise geführt.«

Durch den Zusammenschluss wäre nach Arcelor-Mittal der zweitgrößte Stahlkonzern der EU mit rund 48.000 Mitarbeitern entstanden. »Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation«, sagte Thyssen-Krupp-Vorstandsmitglied Donatus Kaufmann am Donnerstag gegenüber Reuters. Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schafften ein Umfeld, in dem das geplante Joint Venture mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte. »Wir bedauern die Entscheidung der Europäischen Kommission und halten diese für zu weitgehend und falsch. Deshalb reichen wir Klage ein.«

Nach der geplatzten Fusion mit Tata Steel will Vorstandschef Guido Kerkhoff Thyssen-Krupp in eine Holding umbauen und einzelne Geschäftsfelder an neue Investoren verkaufen. Die Aufzugsparte, den wertvollsten Teil des Konzerns, will Kerkhoff an die Börse bringen. In den kommenden drei Jahren sollen laut Kerkhoff 6.000 Angestellte, davon 4.000 in Deutschland, entlassen werden. Schon seit Jahren wird bei Thyssen-Krupp Personal abgebaut. Das Industriekonglomerat werde laut Gewerkschaftern der IG-Metall von »Heuschrecken« wie dem schwedischen Fonds Cevian oder der deutschen Union Investment ausgebeutet, die den Konzern in produktive und unproduktive Bereiche zerschlügen, um sich anschließend die »Filetstücke« zu sichern. (Reuters/jW)

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