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Aus: Ausgabe vom 22.08.2019, Seite 11 / Feuilleton
Ausstellung

»Ah, Ossis!«

Jürgen Kieser, dem Vater der Comicmäuse Fix und Fax haben Neubrandenburger in Berlin eine Ausstellung gewidmet
Von F.-B. Habel
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»Fix und Fax – nicht Fix und Foxi!«: Der Erfinder des Mäuseduos, Jürgen Kieser, wäre am 20. August 98 Jahre alt geworden

Zeichner Ulf S. Graupner, der an der HFF »Konrad Wolf« studierte und dann mehrere Jahre für die Abrafaxe und Ritter Runkel arbeitete, schuf an einem Tag im Mai ein so liebevolles wie witziges Blatt für ein Projekt zum 98. Geburtstag von Altmeister Jürgen Kieser am 20. August. Abends war das Blatt fertig, und am nächsten Tag erfuhr Graupner aus den Nachrichten, dass Kieser gestorben war.

Thomas Möller, rühriger Initiator des Mosaik- und Comicclubs Neubrandenburg, bei dem Kieser oft zu Gast war, hatte das Projekt auf den Weg gebracht. Er hatte Kontakt zu fünf Dutzend Zeichnern aufgenommen, und 45 von ihnen beteiligten sich mit einer Zeichnung. Bevor daraus im Herbst ein Buch geworden sein wird, hat der Club am 16. August in Berlin eine Ausstellung dazu vorgestellt. Sie ist in dem Pankower Café Impuls zu sehen, das Christen verschiedener Konfessionen gründeten und ehrenamtlich führen.

Kieser, der sich mit seinen rund 350 von ihm selbst mit Reimen versehenen Bildgeschichten um die vermenschlichten Mäuse Fix und Fax über den Tod hinaus in der kulturellen Geschichte der DDR fest verankert hat, wurde für seine Kunst von den Lesern aller Altersgruppen geliebt, aber bis auf den Satirepreis »Eddi«, den er 1983 erhielt, sind keine weiteren Auszeichnungen bekannt.

Zu den zeichnenden Geburtstagsgratulanten in der Ausstellung zählen bekannte Kollegen wie Horst Alisch, Ulrich Forchner, Barbara Henniger, Heidi Jäger, Steffen Jähde, Wolfgang Schubert und der Thüringer Bernd Zeller, der Fix und Fax liebevoll als alt gewordene Leser zeigt. Zeichner Flix lässt die beiden gar an Stock und Rollator gehen. Und der aus der Börde stammende Phil Hubbe spielt darauf an, dass die Comicfiguren in unserem kulturell geteilten Land unterschiedlich populär sind: »Fix und Fax – nicht Fix und Foxi!« klären die beiden Mäuse einen Besucher auf, der antwortet: »Ah, Ossis!«

Auch ein Brief ist ausgestellt, den Eugen und Constanze Gliege an Kieser schrieben. Als der Meister 1987 Rentner wurde, hat er seine Figuren gern an die Glieges weitergegeben, die im Magazin Atze die Mäuseabenteuer für wenige Jahre fortführten. Jürgen Kieser, der außer für Fix und Fax mit anderen Figuren, etwa dem Raben Droll und dem Pionier Atze bekannt wurde, ist ebenfalls mit einigen Arbeiten vertreten. So schuf er auch Objektkunst. In Pankow sieht man eine Wanduhr, die das Zifferblatt unten und das Schlagwerk oben hat – ein Stück verkehrte Welt, das er seinem Kollegen Heinz Behling geschenkt hatte.

Vielleicht wird die Ausstellung in zwei Jahren (erweitert und an einem zentraleren Ort?) wiederkehren, denn dann wäre Kieser 100!

»Jürgen Kieser – Eine Hommage an den Vater von Fix und Fax mit persönlichen Zeichnungen von 45 Zeichnern«: Café Impuls, Berlin-Pankow, Breite Straße 49, bis 25. September jeden Mittwoch 15–18 Uhr und nach Vereinbarung

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