Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 16.08.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Umweltzerstörung

Klimakiller USA

Vereinigte Staaten beharren auf der Kontrolle über die Ausbeutung von Ressourcen. US-Präsident besucht Industriekomplex
Von Simon Zeise
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US-Präsident Donald Trump am Dienstag im »Petrochemical Complex« in Monaca

Der US-Imperialismus basiert auf der Kontrolle über die Ausbeutung der Rohstoffe. Der an der Universität von Missouri in Kansas lehrende Ökonom Michael Hudson schreibt in einem am 5. August auf seiner Website veröffentlichten Artikel: »Die Pariser Klimaabkommen und alle anderen grünen Programme zur Verringerung der globalen Erwärmung werden als Bedrohung angesichts des Ziels angesehen, die weltweiten Energiemärkte zu beherrschen.«

Um diesen Anspruch zu untermauern, trat US-Präsident Donald Trump am Dienstag in der Stadt Monaca vor Arbeitern des »Royal Dutch Shell’s Pennsylvania Petrochemical Complex« auf. Rund 50 Kilometer nordwestlich von Pittsburgh entfernt, errichten dort 5.000 Beschäftigte eine Chemiefabrik, in der aus Ethangas pro Jahr 1,6 Millionen Tonnen Polyethylen gewonnen werden sollen, wie es für die Herstellung von Plastikprodukten benötigt wird. Staat und Lokalregierung haben Shell mit kräftigen Steuernachlässen umworben. Schließlich sollen nach der geplanten Fertigstellung in fünf Jahren 600 permanent Beschäftigte eingestellt werden.

Die Errichtung der Megafabrik ist ein Sinnbild für die wirtschaftspolitische Ausrichtung der US-Regierung. Plastik verschmutzt die Weltmeere, CO2-intensive Industrie ist für die zunehmende Erwärmung des Planeten verantwortlich. Doch Trump jubelte, seine Regierung habe »den Ruhm der amerikanischen Industrie wiederhergestellt« und die Nation in Sachen Energieversorgung unabhängig gemacht. »Wir brauchen es nicht mehr aus dem Nahen Osten«, sagte Trump über Öl und »sauberes, erschwingliches, rein amerikanisches Erdgas« und fügte hinzu, dass die Gewerkschaftsmitarbeiter des Werks »das Rückgrat dieses Landes« seien, berichtete die Onlineausgabe der New York Post am Dienstag.

Hudson schreibt, die Kontrolle über Öl habe seit langem einen wesentlichen Beitrag zum Handel und zu den Zahlungen in den USA geleistet und damit zur Fähigkeit des Dollars, den enormen Abfluss für Militärausgaben im Ausland aufrechtzuerhalten. Der Effekt bestehe darin, Ölimporte zu minimalen Zahlungsbilanzkosten zu erzielen. 1965 habe er eine Studie für die Chase Manhattan Bank durchgeführt und festgestellt, dass jeder Dollar Investitionsabfluss in der Ölindustrie innerhalb von nur 18 Monaten wieder zurückgekehrt sei. Das habe daran gelegen, dass kaum ein Teil des ausgewiesenen Importwerts von Öl ans Ausland gezahlt worden sei. Denn soweit die Vereinigten Staaten Öl hätten importieren müssen, habe sich dieser Handel auf US-amerikanische Ölkonzerne beschränkt und sei hauptsächlich über ihre eigenen Auslandsniederlassungen erfolgt – aus Gründen der »nationalen Sicherheit«, wie Hudson hinzufügt. Das meiste, was als US-Auslandsinvestition für Öl gezahlt werde, erfolge in Form von Sachgütern wie Maschinenexporten, Material und Management.

Seit 1974 werde Saudi-Arabien und den arabischen Nachbarländern mitgeteilt, dass sie für ihr Öl einen so hohen Preis verlangen könnten, wie sie möchten. Denn je höher der Preis ist, desto höher sind die Gewinne für inländische US-Ölproduzenten. Die einzige Bedingung sei, so Hudson, dass sie ihre Exporterlöse dem US-Finanzmarkt wieder zuführen müssten. »Sie müssen ihre Devisenreserven und das meiste persönliche Vermögen in US-Staatsanleihen, Aktien und Schuldverschreibungen von Konzernen halten. Eine weltweite Abkehr vom Öl würde diesen zirkulären Strom von Gewinnen aus der Ölförderung auf den US-Finanzmärkten beeinträchtigen.« Klimaschutz wäre für die Imperialisten also ein zu hoher Preis. Denn Solartechnologie und andere alternative Methoden würden nicht annähernd soviel zur US-Zahlungsbilanz beitragen wie Öl. Nicht nur deshalb, weil US-Diplomaten nicht in der Lage seien, umweltfreundliche Alternativen zu nutzen, um die Energieversorgung anderer Länder zu kontrollieren oder zu unterbrechen, sondern auch, weil China eine führende Position in der Solartechnologie einnehme. Trotz der Kurzsichtigkeit der aggressiven US-Öldiplomatie, die für beispiellose Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und andere extreme Wetterbedingungen verantwortlich sei, habe sich jedoch an der grundlegenden Ausrichtung der US-Außenpolitik auf die Kontrolle des Öls nichts geändert, so Hudson.

Trump brüstete sich am Dienstag damit, den Bezirk Beaver County, in dem Monaca liegt, bei der Präsidentschaftswahl 2016 mit 28 Punkten Vorsprung gewonnen zu haben. Was er nicht erwähnte, ist, dass die Bewohner des Bezirk mittlerweile mehrheitlich Demokraten wählen, wie bei den Senatswahlen 2018 – nicht jeder scheint mit Trumps »Umweltpolitik« einverstanden zu sein.

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