Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 16.08.2019, Seite 8 / Ansichten

Klassenkämpfer des Tages: Bernd Riexinger

Von Simon Zeise
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Linken-Kochef Bernd Riexinger

Im Wahlkampf geht’s zur Sache. Bernd Riexinger, der Vorsitzende der Linkspartei, stellt die Eigentumsfrage. In Zügen sollen die Privilegien der 1. Klasse fallen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Donnerstag.

Neben Arbeitern, Angestellten und Erwerbslosen sitzen? Das ging vielen zu weit. »Grober Unfug«, empörte sich der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands »Pro Bahn«, Karl-Peter Naumann. »Wenn ich mehr Platz schaffen will, brauche ich längere Züge.« Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg warnte vor der Reaktion der deutschen Wutbürger: Fahre in einem Zug mal ein Wagen mit weniger 1.-Klasse-Plätzen als vorgesehen, gebe es sofort Kundenbeschwerden. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), bemühte kapitalistische Logik: »Wenn jemand für breitere Sitze und mehr Platz bezahlen will, so soll man das Reisen doch so ermöglichen.« Er lehne diese »sozialistischen Gleichmachereien« ab.

Der Bahnkonzern gähnte angesichts Riexingers Reformvorschlägen: »Die Umwandlung aller 1.-Klasse- in 2.-Klasse-Bereiche würde die Sitzplatzkapazität nur sehr geringfügig erhöhen.« Den Oberen richtig den Kampf ansagen, wollte der Linken-Chef auch nicht. Die Aufhebung aller Klassen soll nur im Regionalexpress gelten. Die gemütlichen Ledersitze im ICE sind zu komfortabel. Und man denke an die vorzügliche Bewirtung in der 1. Klasse im Fernverkehr, mit Gratiszeitungen, Bedienung am Platz, unbegrenztem WLAN und Zugang zu exklusiven Wartebereichen der DB-Lounge am Bahnhof. Deshalb verzichtet Riexinger auf seine Teilnahme am Kommunismus. Als Bundestagsabgeordneter besitze er eine Bahncard 100 für die 1. Klasse. »Gerade wenn die zweite Klasse überfüllt ist, ergibt es ja wenig Sinn, wenn ich dann noch einen weiteren Platz belege«, erklärte er. Hoch die internationale Solidarität.

Debatte

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  • Beitrag von Rolf Brand aus Waltershausen (15. August 2019 um 19:44 Uhr)
    Dieser Mann sollte viel öfter doch bitte erst das Gehirn einschalten, bevor er zu reden beginnt.

    R. Brand
  • Beitrag von Hagen Radtke aus Rostock (16. August 2019 um 12:15 Uhr)
    So schlecht ist der Vorschlag doch gar nicht. Wenn Normalpassagiere die 1.-Klasse-Abteile mitnutzen, haben sie kurzfristig mehr Platz. Dass das (a) kein großes Ding ist und (b) eine langfristige Strategie nicht ersetzt ist Herrn Riexinger doch auch klar.

    Sich reflexartig immer lustig zu machen wenn ein Linken-Politiker, statt den Systemumsturz anzustreben, lieber kleine aber konkrete Verbesserungen für den Normalbürger anstrebt, finde ich ein wenig albern.
    • Beitrag von Hubert Königer aus Aalen (16. August 2019 um 19:44 Uhr)
      Die Klassengesellschaft bemüht sich so zu tun, als ob sie egalitär sei und nur die "Leistung" Unterschiede hervorbringe. - Es gibt aber Bereiche, die offenkundig "Erster Klasse" und "Zweiter Klasse" sind. - Es ist nicht verkehrt, wenn Riexinger dies zum Thema macht. - Deshalb ist es tatsächlich albern von der "jungen Welt", dies so darzustellen wie sie es getan hat. - (Politikerinnen und Politiker der Linkspartei brauchen keine Häme der "jW". Dafür sorgen doch schon die Anderen.)

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