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Aus: Ausgabe vom 10.08.2019, Seite 4 / Inland
Warnung vor neuem Wettrüsten

Gedenkaktion für Opfer von Atombomben

Friedensbewegung erinnert in Hamburg an US-Angriff auf Hiroshima und Nagasaki vor 74 Jahren
Von Martin Dolzer
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Auch in Bonn gedachten Friedensbewegte der mehreren Hunderttausend Toten von Hiroshima und Nagasaki (6.8.2019)

In Hamburg haben Friedensaktivisten mit einer Dauerkundgebung von Dienstag bis Freitag der Opfer der beiden US-Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima am 6. und Nagasaki am 9. August 1945 sowie der Opfer aller Kriege weltweit gedacht. Dazu hatte der Künstler Axel Richter vom Kirchenkreis Hamburg-Ost in der Mönckebergstraße in der Innenstadt einen temporären »Hiroshima-« und einen »Nagasakiplatz« eingerichtet. Passanten wurden mit der erneut akuten Gefahr eines Atomkriegs konfrontiert. Die Straße wurde für die Aktionen ausgewählt, weil durch sie statistisch innerhalb von vier Tagen mehr als 400.000 Menschen laufen – etwa so viele wie damals den beiden Atomangriffen auf Japan zum Opfer fielen.

Neben Redebeiträgen von Vertretern des Hamburger Forums für Völkerverständigung sprachen auch Mitglieder der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG/VK), internationale Atomwaffengegner und Abgeordnete der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, SPD und Die Linke. Der Schauspieler Rolf Becker zählte die durch den Hamburger Hafen transportierten Rüstungsgüter auf und beschrieb deren verheerende Auswirkungen zum Beispiel in der Türkei, im Jemen und im Irak. Becker betonte dabei die Verbindung zwischen Krieg und Flucht sowie Kapitalismus und Krieg. Anlässlich des Gedenkens hatte sich eine Volksinitiative vorgestellt, die in den kommenden Monaten einen Stopp aller Rüstungsexporte durch den Hafen der Hansestadt thematisieren wird. Holger Griebner vom »Arbeitskreis Frieden« der Gewerkschaft Verdi erklärte gegenüber junge Welt, dass die Aktion den Beweis erbracht habe, dass neben der Umweltbewegung »Fridays for Future« auch eine breit aufgestellte Friedensbewegung der Politik Zugeständnisse abringen kann.

Ein Vertreter der DFG/VK mahnte: »Derzeit rüsten alle Atomwaffenstaaten auf. Die in Deutschland stationierten Atomwaffen werden demnächst durch die modernsten Atomwaffen der USA ersetzt.« Mit der Aufkündigung des Vertrags zur Abrüstung von nuklearen Mittelstreckenraketen (INF-Vertrag) durch Washington und danach durch Moskau drohe ein neues Wettrüsten in Europa. Linke, Grüne und SPD kündigten an, sich in der nächsten Legislatur für die Ratifizierung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags auf Bundesebene einzusetzen.

Laut einer im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Greenpeace durchgeführten repräsentativen Umfrage sprechen sich 86 Prozent der Befragten gegen die Stationierung von US-Nuklearwaffen auf Bundesgebiet aus. Das Ende des INF-Vertrages könnte als Gelegenheit genutzt werden, vollständig atomar abzurüsten, heißt es in einer am 1. August gemeinsam mit den Ergebnissen der Umfrage veröffentlichten Mitteilung von Greenpeace.

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