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Aus: Ausgabe vom 07.08.2019, Seite 4 / Inland
Staat schützt Vermieter

Eigentum verpflichtet zu Polizeieinsatz: Zwangsräumung in Berlin-Wedding

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Berlin.

Am frühen Dienstag wurde eine Wohnung in Berlin-Wedding trotz ­Protesten zwangsgeräumt. Bereits gegen 6 Uhr versammelten sich mehr als 100 Nachbarn und Aktivisten, um die Hauseingänge in der Dubliner Straße zu blockieren. Dennoch verschaffte sich die Gerichtsvollzieherin mit Hilfe von Polizisten Zutritt. In der Folge gingen Menschen am frühen Vormittag in einem Protestzug bis zum Leopoldplatz und demonstrierten so gegen Verdrängung.

Durch die Räumung verlor eine Wohngemeinschaft, die seit 2010 dort lebte, ihr Zuhause. Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem Eigentümer, einer Briefkastenfirma. Den Bewohnern war wegen unerlaubter Untervermietung gekündigt worden – das zuständige Gericht hatte die Wohngemeinschaft nicht als solche anerkannt, sondern lediglich von einer »Personenmehrzahl« gesprochen, wie das Berliner Bündnis »Zwangsräumung verhindern« mitteilte. Die Aktivisten verwiesen in dem Zusammenhang darauf, dass es in der Hauptstadt jährlich 5.000 Räumungsurteile gibt. (jW)