Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Montag, 16. September 2019, Nr. 215
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 25.07.2019, Seite 5 / Inland
Konzernübernahme

Metro im Abwehrkampf

Handelskonzern lehnt Kaufangebot ab. Kreditfinanzierte Offerte weckt Verdacht auf Heuschreckenattacke
Von Dieter Schubert
Metro_Markt_62094660.jpg
Konzern verkleinert und jetzt Übernahmekandidat: Vorstandschef Olaf Koch in Metro-Großmarkt

Der Handelsriese Metro AG stemmt sich gegen die Übernahme durch den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky. Dessen Gebot von 16 Euro pro Stammaktie sei deutlich zu niedrig, erklärten Vorstand und Aufsichtsrat des Düsseldorfer Handelsriesen in einer am Mittwoch vorgelegten gemeinsamen Stellungnahme. Metro werde »im Hinblick auf Ertragskraft und Wertperspektive erheblich unterbewertet« zitierte die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Papier.

Der Hauptgrund für die strikte Ablehnung dürfte indes ein anderer sein: In der Konzernzentrale und wohl auch in Kreisen anderer Großaktionäre fürchte man, Kretinsky könnte sich als sogenannte Heuschrecke erweisen. Denn der plant offenbar, die Einverleibung des Konzerns auf Pump zu finanzieren – was in Zeiten der Nullzinsdoktrin der Europäischen Zentralbank auch plausibel erscheint.

Kauf auf Pump

Kretinskys Offerte basiere auf einer »erheblichen Fremdkapitalfinanzierung« – doch lasse der Milliardär offen, wie er diese Schulden abbauen wolle. Es sei möglich, dass er sich dann aus »Substanz und Liquidität« der Metro bedienen werde, so Vorstand und Aufsichtsrat. Zudem könnte der Bieter eine hohe Ausschüttung – etwa eine Sonderdividende – anstreben und damit das Unternehmen belasten. Es drohe dann auch eine deutliche Herabstufung des Konzernratings durch die Agentur Standard & Poor’s – mit »signifikant negativen Folgen«. Kretinsky hatte dagegen erklärt, er wolle der Metro AG »eine erfolgreiche zukünftige Wachstumsstrategie ermöglichen«.

Das Prinzip, Unternehmen auf Kredit zu kaufen und diesen Erwerb dann von dem Übernommenen selbst bezahlen zu lassen, zählt zu den wohl lukrativsten, die das kapitalistische System im Repertoire hat. So haben in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten Hunderte von meist wirtschaftlich gesunden Firmen den Besitzer gewechselt und dies letztlich selbst bezahlen müssen. Meist traten die Käufer in diesen Fällen allerdings als Fonds in Erscheinung.

Die Metro – ein Konzern mit einem Umsatz 2017/2018 von gut 36,5 Milliarden Euro und mehr als 150.000 Beschäftigten – scheint allmählich wirtschaftlich wieder besser in Tritt zu kommen. Der Handelsriese hatte am Dienstag ein deutliches Umsatzwachstum für das dritte Quartal vermeldet. Allerdings ist er heute deutlich »schlanker« als früher. Die ehemaligen Unternehmensteile Media Markt und Saturn werkeln seit 2016 auf eigene Gesamtrechnung unter dem Dach der Holding Ceconomy. Galeria-Kaufhof war schon 2015 abgeworfen worden und gehört mit Karstadt inzwischen einem österreichischen Immobilienhai. Auch die Supermarktkette Real ist mittlerweile eigenständig im Geschäft, allerdings sucht das Konzernmanagement der Metro weiter nach einem Käufer.

Kretinsky war im vergangenen Jahr zusammen mit seinem Partner Patrik Tkac bei den Düsseldorfern eingestiegen und will den (Rest-) Konzern nun übernehmen. Sein über die Investmentgesellschaft EPGC vorgelegtes Angebot im Umfang von insgesamt rund 5,8 Milliarden Euro gilt noch bis zum 7. August. Er hat es an eine Mindestannahmeschwelle von 67,5 Prozent der Stammaktien geknüpft und erklärt, 16 Euro pro Aktie seien ein attraktiver Preis.

Nur noch Großhändler

Vorstand und Aufsichtsrat der Metro sehen dies anders. »Wir halten den von EPGC offerierten Preis für nicht angemessen und empfehlen unseren Aktionären, das Angebot nicht anzunehmen«, erklärte Vorstandschef Olaf Koch. »Der gebotene Preis ist auch aus Sicht des Aufsichtsrats nicht angemessen«, betonte der Vorsitzende des Kontrollgremiums Jürgen Steinemann. Zudem sei »mehr Klarheit« mit Blick auf die künftige Strategie von EPGC und die »Auswirkungen der Akquisitionsfinanzierung auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens erforderlich«.

Nach der Abspaltung früherer Unternehmensteile ist Metro mit seinen »Cash and Carry«-Märkten hauptsächlich ein Großhandelskonzern. Der Vorstandsvorsitzende Koch verspricht den Aktionären rosige Wachstumsperspektiven. Das sieht Kretinsky anscheinend auch so. Inzwischen hat er sich bereits knapp 33 Prozent der Metro-Stammaktien gesichert.

Vorstand und Aufsichtsrat glauben aber nicht, dass der Investor das Ziel von 67,5 Prozent der Stammaktien erreicht: »Solange zwei wesentliche Großaktionäre das Angebot nicht annehmen, erscheint die Mindestannahmeschwelle (...) sehr ambitioniert«, hieß es in der Stellungnahme zur Offerte. Die Beisheim Holding und die Meridian Stiftung, die insgesamt über 20 Prozent der Anteilsscheine halten, schweigen sich bislang zum Angebot aus.