Gegründet 1947 Freitag, 20. September 2019, Nr. 219
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 25.07.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Großbritanniens Premier Johnson

»Nicht ohne Kampf«

Großbritanniens Linke organisiert erste Proteste gegen Premier Boris Johnson
Von Christian Bunke, Manchester
RTX70LI7.jpg
Demonstranten fordern am vergangenen Montag Neuwahlen in London

Die Ernennung Boris Johnsons zum Premierminister wird nicht ohne Proteste vonstatten gehen. Zu vielen Menschen ist er als aggressiver Rechtspolitiker im Gedächtnis. Schon für Mittwoch abend war in London eine Kundgebung verschiedener gegen Sozialabbau kämpfender Gruppen unter dem Motto »Fuck Boris« geplant.

»Wir sagen nein«, heißt es in dem Aufruf. Eine Regierung, die für ein »flüchtlingsfeindliches Klima« und das Grenfell-Branddesaster verantwortlich sei, werde nun von einen Mann geführt, der Menschen mit schwarzer Hautfarbe ein »Melonengesicht« angedichtet und verschleierte muslimische Frauen mit Bankräubern verglichen habe. Man werde nicht zulassen, dass »dieser Mann ohne Kampf Premierminister wird«.

Auch die Labour-Partei organisiert eine Kundgebung. Das ist insofern bemerkenswert, als sich Labour als Gesamtpartei traditionell selten als Organisatorin von außerparlamentarischen Aktivitäten hervortut. Am Donnerstag will man nun direkt vor den Eingängen des Parlamentsgebäudes demonstrieren.

Die Kundgebung wird politisch vom linken Parteiflügel getragen. Es sind Reden von Parteichef Jeremy Corbyn und dem wirtschaftspolitischen Sprecher John McDonnell angekündigt. Auch die linken Führungsfiguren Dawn Butler und Laura Pidcock sind angekündigt. Letztere wird von der Mitgliedschaft inzwischen als mögliche Kandidatin für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden gehandelt.

Thematisch soll es bei der Kundgebung um die Forderung nach Neuwahlen gehen, der man Nachdruck verleihen möchte. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Labour sich bemüht, auf der Straße dafür zu mobilisieren. Dem linken Flügel angehörende Ortsverbände haben auf lokaler Ebene ähnliche Proteste geplant. Einer davon fand bereits am Mittwoch abend in Liverpool statt. Das Motto: »Boris Johnson ist nicht unser Premierminister.«

Mehr aus: Schwerpunkt