Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Montag, 19. August 2019, Nr. 191
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 20.07.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Dreister Versuch

Zu jW vom 15.7.: »Abgeschrieben«

Die Kritik der Botschaft der Russischen Föderation an dem grotesken Welt-Artikel vom 9.7. des »Historikers« Sven Felix Kellerhoff über die größte Panzerschlacht des Zweiten Weltkrieges im Kursker Bogen ist zu zurückhaltend. Man hätte diesen Geschichtsumschreiber mit seiner in typischer Timothy-Snyder-Manier vorgetragenen Darstellung der Geschehnisse vom 12. Juli 1943 bei Prochorowka entschiedener durch Aufführung folgender konkreter Fakten in die Schranken weisen sollen: 1. Die sowjetische Rüstungsindustrie hatte die faschistische schon Anfang 1943 quantitativ weit in den Schatten gestellt (qualitativ bereits 1941 vor allem durch die Kampfpanzer »T-34« und »KW-1«). Allein 1943 wurden in der UdSSR circa 25.000 Kampffahrzeuge produziert, im von Hitler beherrschten Europa von ’41 bis ’45 circa 26.000! 2. Nach den meisten Darstellungen prallten in der Schlacht etwa 1.500 gepanzerte Fahrzeuge aufeinander. Die Deutschen verloren ungefähr 350, die Russen circa 500. Der Ausgang der Panzerschlacht war aber letztlich irrelevant, weil a) am 12. Juli der mächtige deutsche Panzerkeil im Norden des Kursker Bogens in den sowjetischen Verteidigungsstellungen ausgeblutet war und nunmehr in einer rasanten Gegenoffensive Richtung Orjol von drei Fronten der Roten Armee zerschlagen wurde. Ein erfolgreicher deutscher Vorstoß nach Kursk war damit verwehrt. Starke sowjetische Reserven (»Steppenfront«) waren auch vorhanden. b) Das Ergebnis der Schlacht im Kursker Bogen vom 5. Juli bis 23. August 43 kann nur im Zusammenhang beurteilt werden: Die besten deutschen Panzerdivisionen hatten riesige Verluste in den tief gestaffelten Verteidigungsstellungen. Die neuen Panzer (»Tiger«, »Panther«) waren nicht frontreif und blieben massenhaft liegen. Am 3. August dann die erfolgreiche Gegenoffensive im Süden, am 23. die Befreiung Charkows. Die hohen sowjetischen Verluste konnten – im Gegensatz zu den deutschen – schnell ausgeglichen werden. Bei der Zurückschlagung der letzten Offensive der Naziwehrmacht im Osten (»Unternehmen Zitadelle«) in der Schlacht von Kursk wurde der faschistischen Panzerwaffe endgültig das Rückgrat gebrochen, das Ostheer ausgeblutet. Das war bisher einmütige Ansicht – nicht nur von Militärhistorikern. Die »Kellerhoff-Snyder-Geschichtsumschreibung« ist ein weiterer, besonders dreister Versuch, den Hauptanteil der Sowjetunion im Kampf gegen den Hitlerfaschismus nicht nur zu marginalisieren, sondern auch lächerlich zu machen und die Erinnerung daran auszulöschen.

Thomas Pelte (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Politisch motiviert

Zu jW vom 17.7.: »Rakete oder Kanone«

Selbst Malaysias Premier Mahathir bin Mohammed behauptet, dass der »MH-17«-Abschlussbericht rein politisch motiviert sei. Das von niederländischen Ermittlern geführte gemeinsame Untersuchungsteam richte ihm zufolge »seine Aufmerksamkeit zu stark darauf, den Abschuss Russland in die Schuhe zu schieben«. Es fehlten allerdings handfeste Beweise, die zeigten, dass »die Russen für den Abschuss der Rakete tatsächlich verantwortlich sind«. (…) Insbesondere kritisierte er die Entscheidung, malaysischen Ermittlern eine eigene Untersuchung der Black Box des abgeschossenen Flugzeugs zu verwehren. (…)

Istvan Hidy, per E-Mail

Armes Abendland

Zu jW vom 17.7.: »Von der Leyen mit knapper Mehrheit gewählt« (Online-Extra)

So wurde denn schließlich eine eiskalte teutonische Bellizistin von der Leine gelassen, um künftig die EU im Auftrage der NATO in die große Schlacht gen Osten zu führen. Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnten die Bürger hierzulande nur so gleichgültig und leichtfertig werden? Vor einem Wimpernschlag in der Geschichte kämpften in Deutschland trotz Drohung von Folter und Mord Menschen gegen die jahrhundertealte Despotie von Klerus und Adel. Es scheint ungleich schwerer, die globale Macht des heutigen transnationalen Geldadels zurückzudrängen, als einst die Allmacht des vermeintlich gottgewollten Feudaladels zu brechen. Armes Deutschland, armes Abendland!

Reinhard Hopp, per E-Mail

Aller Ehren wert

Zu jW vom 18.7.: »Radio Sandino: Stimme der Revolution«

»Radio Sandino ist ähnlich widersprüchlich wie die Regierung, auf deren Seite es steht«, endet der Artikel. Doch deren Politik richtet sich nach den Bedingungen und Möglichkeiten des Landes. Das von der FSLN angeführte Bündnis »Unida Nicaragua Triunfa« übernahm 2007 ein Land am Abgrund: Nach den Indizes der UN für menschenwürdige Entwicklung hatte Nicaragua 1990 den 85. Rang inne. 2006 lag es auf Rang 128. 83 Prozent der Bevölkerung lebten in Armut. Nur jeder dritte hatte Arbeit. Jeder zweite war Analphabet. Die »widersprüchliche« Regierung führte das Land in kurzer Zeit aus diesem Chaos (…). In ihrer Politik stützt sie sich auf die Kräfte, deren Vertreter im Regierungsbündnis vertreten sind. Sie ist eine Regierung der Versöhnung und nationalen Einheit. Ihre Mitglieder mussten sich kompromissbereit zeigen. Das ist doch folgerichtig und nicht widersprüchlich, oder? Es kann sein, dass mancher Kompromiss zu weit ging. Natürlich war die beabsichtigte Rentenreform im Frühjahr 2018 eine Fehlleistung. Die Regierung dachte, mit den Maßnahmen die Auflagen des IWF umgehen zu können. Diese Reform war aber nicht der Grund für den Putschversuch der nationalen und internationalen Reaktion. Nicaragua wird angegriffen, weil das Land wie Kuba und Venezuela im Fadenkreuz der aggressiven Politik der US-Administration steht. Diese Woche begeht Nicaragua den 40. Jahrestag des Sieges der Sandinistischen Revolution über die Somoza-Diktatur. Was das nicaraguanische Volk und die FSLN in den vergangenen Jahrzehnten leisteten, ist aller Ehren wert. Nicaragua hätte ein anderes Urteil verdient als das, eine widersprüchliche Regierung zu haben.

Wolfgang Herrmann, Dreesch (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Es scheint ungleich schwerer, die globale Macht des heutigen transnationalen Geldadels zurückzudrängen, als einst die Allmacht des vermeintlich gottgewollten Feudaladels zu brechen.

Leserbriefe zu diesem Artikel: