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Aus: Ausgabe vom 18.07.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Ein ganz anderes Standing

Drittligaaufsteiger Viktoria Köln will sich als zweite Macht der Stadt etablieren
Von Oliver Rast
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Ein Verein steht Kopf: Am Samstag startet Viktoria Köln in die Drittligasaison

Mehrere Anläufe waren erforderlich, in der vergangenen Saison hat es für den FC Viktoria Köln 1904 endlich geklappt: Aufstieg in den Profifußball, von der Regionalliga West in die dritte Liga. Saisonauftakt ist am Sonnabend; der rechtsrheinische Klub aus dem Ortsteil Höhenberg im Stadtbezirk Kalk gastiert bei Hansa Rostock.

Die Durststrecke war lang, letztmals spielte der Vorläuferverein SC Viktoria Köln von 1978 bis 1981 in der zweiten Bundesliga Nord. Danach verloren sich die Spuren des Klubs nach Fusionen, Umbenennungen und Neugründungen in den Tiefen des Amateurfußballs.

»Wir wollen uns als Nummer zwei hinter dem 1. FC Köln positionieren«, sagt Julia Schulz, PR-Frau bei der Viktoria, im jW-Gespräch. Mit dem Abstieg der Südstädter von Fortuna Köln aus der dritten Liga und dem gleichzeitigen Aufstieg der Viktoria haben sich die Kräfteverhältnisse in der Domstadt verschoben. Schulz: »Der Klub hat jetzt ein anderes Standing in der Stadt.« Und die rechte Rheinseite sei sowieso das Terrain der Viktoria. Apropos rechts des Rheins: »Rechtsrheinisch gegen rechts« heißt eine Viktoria-Kampagne. »Das ist gelebte Vereinspolitik«, betont Schulz.

Ein Problem gibt es aber: Das Stadion ist nicht drittligatauglich. Seit Juni werden Zusatztribünen hinter dem Tor aus Stahlrohr errichtet. Statt 6.000 finden dann 10.000 Zuschauer Platz. Davon müssen 2.000 Sitzplätze sein, ein Drittel wiederum überdacht. Frank Bleydorn, Viktoria-Medienleiter, sagt auf jW-Nachfrage: »Der Umbau soll im Laufe der Woche abgeschlossen werden.« Dann erfülle das Stadion alle Anforderungen für den Spielbetrieb in Liga drei.

Viktoria-Kapitän Mike Wunderlich hat eine selten gewordene Tugend: Vereinstreue. Das Team wurde nach dem Aufstieg kräftig umgekrempelt, die Hälfte der Aufstiegsmannschaft musste gehen. »Klar gibt es Wehmut, weil einige Spieler aus dem Aufstiegsjahr nicht mehr dabei sind«, gesteht Wunderlich gegenüber jW. Aber auch er weiß: »Das Geschäft ist halt so.« Wie schätzt er seine eigene Leistungsstärke ein? Er, ganz selbstbewusst: »Ich habe genug Qualität, um in der dritten Liga gute Spiel abzuliefern.« Der Kapitän will mit seinen Mannen ohne Druck aus dem Startblock in die Saison kommen. »Komplettes Vertrauen« setzt er in den neuen Trainer.

Der Neue an der Seitenlinie ist Pavel Dotchev, seit Mai dieses Jahres bei der Viktoria. Dotchev gilt als erfahrener Drittligatrainer. Stört es ihn, vorrangig unterklassige Teams zu betreuen? »Höherklassig im Amt zu sein ist schon meine Ambition. Aber meine Engagements bei Drittligateams in den vergangenen Jahren haben sich so ergeben«, sagt er im jW-Gespräch. Vielleicht hat ihm in seiner bisherigen Trainerlaufbahn auch ein Quentchen Glück gefehlt, um bei einem Erstligisten als Cheftrainer unter Vertrag zu stehen. Ansonsten findet er, dass in der dritten Liga Fußball genauso intensiv trainiert wird wie in der ersten.

Aktiver Fußball, das ist Dotchevs Credo. Das heißt? Dotchev: »Wir wollen im Spiel agieren, nicht reagieren, das Tempo dominieren, hoch anlaufen, nicht mauern.« Mit dieser Marschroute geht es zum Auftakt nach Rostock, Dotchevs letzter Wirkungsstätte als Übungsleiter. Seine Prognose? »Das ist schwierig, gerade beim ersten Meisterschaftsspiel.« Eine Tendenz lasse sich erst nach einem Dutzend Saisonkicks ablesen. Die Favoritenrolle schiebt er vorsichtshalber den Ostseestädtern zu.

Im ersten Jahr geht es um den Klassenerhalt, so Dotchev. »In den weiteren Spielzeiten wollen wir uns als Spitzenmannschaft in der dritten Liga beweisen.« Weiter will sich der Coach nicht vorwagen, keine unseriösen Ziele ausgeben, wie er sagt.

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