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Aus: Ausgabe vom 18.07.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Treuhändisch

»Lesart« | Di. 7.40, DLF Kultur
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Alptraum der Treuhand: Aufbau-Chef Elmar Faber (r. vorne), SED-Kulturpolitiker Kurt Hager (M.) und Schriftsteller Hermann Kant (M. hinten) auf der Leipziger Buchmesse 1987

Als die Treuhand 1990 im Anschlussgebiet zu wüten begann, konnte ihr ein eigensinniger Verleger nur im Weg sein: Elmar Faber, als langjähriger Aufbau-Chef harte Konflikte gewöhnt und als Kulturmensch zu wenig Zugeständnissen bereit, sollte von der Spitze des angesehensten DDR-Hauses verschwinden. Man griff zur Intrige. Wie der Schriftsteller Christoph Hein nun im DLF Kultur berichtete, rief der zuständige Treuhandchef ihn und andere der wichtigsten Aufbau-Autoren bei Christa Wolf zusammen und eröffnete ihnen, man habe Beweise, dass der Verleger für die Stasi gearbeitet habe. Sie müssten umgehend seine Ablösung fordern – es hätte Fabers sofortigen Rücktritt erzwungen. Hein weigerte sich trotz Drucks der Kollegen und verlangte, zunächst die Belege zu sehen. Er würde sie nie zu Gesicht bekommen, die Sache war erfunden. Faber nahm 1992 seinen Hut. Die Erinnerungen des SED-Kulturpolitikers Kurt Hager, der ihn trotz heftiger Konflikte nie entlassen hatte, veröffentlichte er 1996 im eigenen Verlag Faber & Faber. (pm)

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