Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 18.07.2019, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Kryptowährung

Paris attackiert Facebook

Finanzministertreffen der G 7: Frankreich lehnt Digitalwährung »Libra« strikt ab
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Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire (l.) begrüßt US-Minister Steven Mnuchin am Mittwoch zum G-7-Treffen in Chantilly

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire hat alle diplomatischen Floskeln beiseite gelassen und Klartext gesprochen: Mit Blick auf Pläne des »Social Media«-Riesen Facebook zur Schaffung einer digitalen Währung sagte Le Maire zum Auftakt des Treffens der G-7-Finanzminster: »Wir wollen nicht, dass Privatunternehmen die Möglichkeit haben, eine souveräne Währung zu schaffen.« Die Ressortchefs der sieben wichtigen Industriestaaten USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada, beraten seit Mittwoch bis zum heutigen Donnerstag zu weiteren aktuellen Problemen wie beispielsweise einer »Digitalsteuer« in Chantilly bei Paris.

Le Maire betonte, dass es strenger Regelungen und Verpflichtungen bedürfe. Facebooks digitale Währung »Libra« erfülle die notwendigen Anforderungen derzeit nicht. Die Finanzminister sehen sie mehrheitlich skeptisch. Deutschlands oberster Kassenverwalter Olaf Scholz (SPD) hatte bereits am Dienstag moniert, dass die Herausgabe von Währungen nicht in die Hände eines Privatunternehmens gehöre.

Hintergrund ist auch die Sorge um die nicht unbedingt als stabil anzusehende europäische Gemeinschaftswährung. Der Euro müsse das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in den 19 zum Währungsraum gehörenden EU-Staaten bleiben. Selbst US-Finanzminister Steven Mnuchin, ein ehemaliger Goldman-Sachs-Mitarbeiter, Hedgefondsmanager und Hollywood-Produzent, hatte sich kritisch zur geplanten Kryptowährung des Netzwerkbetreibers geäußert.

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg hatte im Juni die Einführung des eigenen Geldes zur Verwendung im Internet angekündigt. Mit sogenannten stabilen Währungen – dazu werden beispielsweise US-Dollar oder Euro gezählt – soll man »Libra« ab 2020 kaufen können. Mit diesem lediglich elektronisch vorhandenen Geld könnten dann Einkäufe im Internet bezahlt werden. Zielgruppe des Facebook-Managements sind zudem jene (Hunderte Millionen) Menschen, die über Ländergrenzen hinweg Geld überweisen wollen und dafür bislang hohe Gebühren zahlen müssen. (dpa/jW)

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