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Aus: Ausgabe vom 17.07.2019, Seite 10 / Feuilleton
Blutrituale

Stiere töten

Es ist ja nicht so, dass man bei Mallorca zuerst an Stierkämpfe denken würde, eher schon an singende Mumien vor steindummem Publikum. Aber gut: Nach rund zwei Jahren Zwangspause werden die Toreros auf Mallorca wieder Stiere töten. Am 9. August werde auf der Plaza de Toros in Palma erstmals seit Juli 2017 wieder eine Corrida stattfinden, berichtete am Dienstag die Zeitung Diario de Mallorca. Ende 2018 hatte das spanische Verfassungsgericht ein vom Regionalparlament der Baleareninseln vor zwei Jahren verhängtes Verletzungs- und Tötungsverbot gekippt. Das Madrider Gericht erklärte damals mehrere Artikel des reformierten balearischen Gesetzes über Stierkämpfe und Tierschutz für verfassungswidrig. Die neuen Bestimmungen waren von blutrünstigen Medien als »Stierkampf light« bezeichnet worden.

Das von Linksparteien beherrschte Regionalparlament in Palma habe mit dem Tötungsverbot seine Kompetenzen überschritten, befanden die Richter. Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden sei, könne nur der Staat darüber entscheiden, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Richter waren in der Sache von der konservativen Volkspartei (PP) des damaligen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy angerufen worden. Die Stiftung Fundación Toro de Lidia (Stiftung Kampfstier) hatte das Tötungsverbot als »Barbarei« bezeichnet.

Obwohl es immer mehr Kritiker gibt und der Stierkampf in Spanien vor allem unter den Jüngeren immer mehr an Attraktivität verliert, hatte das Verfassungsgericht bereits 2016 klargemacht, dass die spanischen Regionen die sogenannten Corridas nicht völlig verbieten dürfen. Damals war ein in Katalonien seit 2010 geltendes Stierkampfverbot gekippt worden. Einige der Beschlüsse von 2017 gelten auf Mallorca aber weiterhin. Minderjährige dürfen zum Beispiel dem Spektakel nicht beiwohnen. Waren das nicht die, die sowieso kein allzu großes Interesse mehr an Stierkämpfen haben? (dpa/jW)

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