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Aus: Ausgabe vom 12.07.2019, Seite 8 / Ansichten

Reumütiger des Tages: Kris Van Dijck

Von Gerrit Hoekman
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Kris van Dijck konnte sich mit dem Pusten Zeit lassen und kam trotzdem noch auf stolze 1,4 Promille

Vor einer Woche fuhr der flämische Parlamentspräsident Kris Van Dijck nachts mit seinem Auto auf einen am Straßenrand abgestellten Anhänger. Sturzbesoffen. 1,42 Promille wurden bei der Blutentnahme festgestellt. Allerdings wohl erst zweieinhalb Stunden nach dem Unfall, wie die Staatsanwaltschaft nun bestätigte. Vermutlich hatte der Politiker der Law-and-Order-Partei »Nieuw-Vlaamse Alliantie« also noch einiges mehr intus.

Van Dijck, der auch Bürgermeister der Stadt Dessel ist, hatte den Abend in einem örtlichen Café verbracht. Um dem Verdacht vorzubeugen, seine »eigene« Polizei behandele ihn besser als andere, wurden Beamte aus dem benachbarten Geel angefordert. Die waren offenbar mit dem Tretroller unterwegs – beide Orte trennen nur 14 Kilometer.

»Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen«, entschuldigte sich Van Dijck am Donnerstag in seiner Rede zum Nationalfeiertag der Flamen im Rathaus von Brüssel. Noch während er redete, ließ das P-Magazine auf seiner Homepage die nächste Bombe platzen: Van Dijck soll bereits länger ein enges Verhältnis zu einer exklusiven Prostituierten namens »Lynn« unterhalten.

Ohne Frage ist das seine Privatsache. Aber leider soll er sie auch mit Steuergeldern begünstigt haben, was zu einem gewissen öffentlichen Interesse berechtigt. Um Lynns Lohn von 300 Euro die Stunde ein wenig aufzubessern, soll ein kleines Unternehmen gegründet worden sein, bei dem die Dame offenbar zum Schein angestellt war. P-Magazine behauptet, Lynn habe nie ein Gehalt bekommen, aber als die Firma wenig später wieder aufgegeben wurde, erhielt sie die Kündigung und anschließend Arbeitslosengeld, insgesamt 5.000 Euro.

Nach Bekanntwerden verließ Van Dijck die Veranstaltung frühzeitig und sah kurze Zeit später ein, dass Reue à la »Ik had beter moeten nadenken« zu kurz greift und er sich lieber von seinem Amt verabschiedet.

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