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Aus: Ausgabe vom 12.07.2019, Seite 7 / Ausland
Iran/USA

Mediale Konfrontation

Iran dementiert Berichte über Zwischenfall im Persischen Golf. Keine »Begegnung« von Küstenwacht und britischem Kriegsschiff
Von Knut Mellenthin
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Die britische Fregatte »Montrose« vor dem Marinestützpunkt Devonport (8.10.2018)

Die Darstellungen könnten nicht gegensätzlicher sein: Irans »Revolutionsgarden« haben US-amerikanischen und britischen Berichten über einen Zwischenfall widersprochen, der sich in der Nacht zum Donnerstag im Persischen Golf ereignet haben soll. Es habe in der fraglichen Zeit keine besonderen Vorkommnisse gegeben, teilten die »Revolutionsgarden« mit, die unter anderem für den Schutz der Seegrenze zuständig sind. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif twitterte, die Behauptungen der Gegenseite seien wertlos und sollten nur Spannungen schaffen.

Der angebliche Zwischenfall war zuerst von Reuters gemeldet worden. Die Nachrichtenagentur berief sich nur auf Informationen von zwei nicht näher bezeichneten US-amerikanischen »Officials«. Nach deren Aussagen hätten sich fünf Boote der »Revolutionsgarden« einem Öltanker namens »British Heritage« genähert und das Schiff zum Anhalten zwingen wollen. Als Reaktion habe die britische Fregatte »Montrose«, die den Tanker begleitete, ihre Geschütze auf die Boote gerichtet und sie über Funk aufgefordert, sich zu entfernen. Daraufhin seien die Iraner weggefahren. Schauplatz sei die Einfahrt vom Persischen Golf in die Meerenge von Hormus gewesen.

Erst später wurde eine Stellungnahme des britischen Verteidigungsministeriums veröffentlicht, die den Vorgang grundsätzlich bestätigte. Allerdings war darin nur von drei Booten und von »verbalen Warnungen« der Fregatte die Rede. Die iranische Aktion habe gegen internationales Recht verstoßen. Die britische Regierung sei »besorgt« und fordere die iranischen Behörden auf, »die Situation in der Region zu deeskalieren«.

Im Gegensatz dazu heißt es in der Erklärung der Pressestelle der »Revolutionsgarden«, es habe in den letzten 24 Stunden keine Begegnungen mit fremden Schiffen gegeben. Die zuständige Abteilung ihrer Marine sei aber bereit, »entschlossen und rasch« vorzugehen und gegebenenfalls auch ausländische Schiffe sicherzustellen, falls sie entsprechende Anweisungen erhalten würde.

Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-amerikanischen Streitkräfte, General der Marineinfanterie Joseph Dunford, hatte am Dienstag vor einem kleinen Kreis ausgewählter Journalisten über den Plan gesprochen, mit Hilfe verbündeter Staaten eine internationale Flotte aufzustellen, die Handelsschiffe sowohl durch die Straße von Hormus als auch durch die Meerenge Bab Al-Mandab zwischen dem Jemen und Nordostafrika eskortieren soll. Es war bereits vor dem angeblichen Zwischenfall bekanntgeworden, dass die britische Fregatte »Montrose« schon jetzt für solche Aufgaben eingesetzt wird.

Auch über den Tanker »British Heritage« war schon seit mehreren Tagen geschrieben worden. Als erste hatte die US-amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag berichtet, dass das Schiff Zuflucht in saudiarabischen Küstengewässern gesucht habe, um einer befürchteten Aufbringung durch die Iraner zu entgehen. Ursprünglich habe der Tanker, der ein Fassungsvermögen von einer Million Barrel Rohöl hat, am vorigen Wochenende den irakischen Hafen Basra am nördlichen Ende des Persischen Golfs anlaufen sollen, um dort beladen zu werden. Kurz vor Erreichen des Ziels habe er aber »eine abrupte Kehrtwendung« gemacht, und die vorgesehene Fracht sei storniert worden.

Zum Hintergrund der Ereignisse: Seit vorigem Donnerstag liegt in Gibraltar, einem der Überreste des britischen Kolonialreichs an der Südspitze der iberischen Halbinsel, ein iranischer Tanker fest, der am 4. Juli mit Hilfe einer militärischen Spezialeinheit gekapert worden war. Die zwei Millionen Barrel Öl, die er an Bord hat, waren angeblich für eine Raffinerie in Syrien bestimmt. Das wäre ein Verstoß gegen EU-Sanktionen, die allerdings nach internationalem Recht zumindest irrelevant, wenn nicht sogar unzulässig sind. Iranische Politiker und Militärs haben wiederholt Gegenaktionen angedroht, falls das Schiff nicht bald freikommt.

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