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Aus: Ausgabe vom 05.07.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Dokumentiert

Geschäftemacher und NPD-Kader: Die Organisatoren des Neonazifestivals in Themar

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Neonazi aus Berlin: Sebastian Schmidtke (NPD)

Die Mobile Beratung in Thüringen (Mobit e. V) stellt auf ihrer Website die Veranstalter des Neonazifestivals in Themar vor. Der vollständige Beitrag findet sich unter https://mobit.org/, jW dokumentiert Auszüge:

Tommy Frenck: Der südthüringer Neonazi hat sich mittlerweile deutschlandweit durch seine Aktivitäten einen Namen gemacht. (…) Frenck organisiert seit vielen Jahren Rechtsrockkonzerte und hat inzwischen europaweite Kontakte und Erfahrung in der Organisation gesammelt. Beispielsweise fungierte er im Juni 2017 als Versammlungsleiter, als etwa 6.000 Neonazis beim »Rock gegen Überfremdung II« feierten und Dutzende Personen abends vor der Bühne den strafbaren Hitlergruß zeigten.

Sebastian Schmidtke: Der Berliner ist Bundesorganisationsleiter der NPD. Der Funktionär gehört seit vielen Jahren der Neonaziszene an und gilt als wichtige Schnittstelle zwischen Partei und militanten Kameradschaftsstrukturen. Schmidtke verantwortete auch das zweitägige Event im letzten Jahr. Im vergangenen Oktober übernahm er zudem die Versammlungsleitung für das improvisierte Rechtsrock-Event »Rock gegen Überfremdung III« auf dem Apoldaer Markt. Die Polizei löste die Versammlung an einem Samstag abend nach gewalttätigen Ausschreitungen der Neonazis auf.

Patrick Schröder: Der umtriebige Bewegungsunternehmer besitzt mit »Ansgar Aryan« eines der bekanntesten Neonaziszenelabel in Deutschland. Verkaufsstände der Marke sind in Thüringen auf den meisten Rechtsrockevents zu finden. Bekannt wurde Schröder jedoch wegen seiner Social-Media-Plattform »FSN.TV«. Diese Onlinefernsehsendungen bestehen aus einem Mix von extrem rechter Politik, Besprechungen von Rechtsrock-CDs und Studiogästen aus der Szene. Über Jahre präsentierten Schröder und Frenck sich oft auf gemeinsamen Urlaubsreisen oder organisierten zusammen Konzerte und Großveranstaltungen. Im Spätsommer 2017 wurde Schröder vom Neonazirapper Makss Damage mit einem Disstrack öffentlich bezichtigt, die Szene zu verachten und nur eigene finanzielle Interessen zu verfolgen. Während sich auch Thüringer Neonazis anschlossen, äußerte sich Frenck nach außen hin nicht. Die erneute Zusammenarbeit bei den »Tagen der nationalen Bewegung« zeigt, dass der Szenestreit für die Rechtsrockveranstalter wohl keine größeren Auswirkungen hat.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Irmela Mensah-Schramm: Kein »harmloser« Neonazi Diese Republik macht es ja auch möglich, dass Nazikader ihre Kariere machen – finanziert durch die Ekel-Hass-Konzerte. Nach dem NSU-Versagen kommt das nächste Versagen. Es wird bei den Behörden einfa...

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