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Aus: Ausgabe vom 25.06.2019, Seite 8 / Ansichten

Zukünftig Enteignete des Tages: Die Quandts

Von Sebastian Carlens
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Stefan Quandt

Das Vermögen mancher Leute wiegt so schwer, dass sie, wenn sie reden, automatisch in den Pluralis Majestatis verfallen. Sie sagen dann »unser« und »wir«, meinen aber »meins« und »ich«. Einer dieser Sorte ist Stefan Quandt, BMW-Großaktionär. Lebendeinwaage: 15,6 Mrd. US-Dollar.

Quandt hat nun getan, was deutsche Superreiche für gewöhnlich vermeiden. Er wagt sich in die Öffentlichkeit. Das ist sehr zu begrüßen, erlaubt es doch einen Einblick in die Denk- und Gefühlswelt einer Klasse, die der arbeitenden Bevölkerung dieses Landes fremder ist als – sagen wir mal – ein beliebiger südindischer Rikschafahrer.

In der FAS konnte Quandt einen Artikel mit dem Titel »Schützt das« (lies: mein) »Eigentum« unterbringen, verfasst auf Basis einer Laudatio auf seinen Nazi-Vater Herbert. Da geht es viel um »unser Grundgesetz«, »unsere Geschichte« und »unsere soziale Marktwirtschaft«. Damit sind »wir«, schreibt Quandt, »in all den Jahren sehr gut gefahren«. Will heißen: Er und seine Schwester, Susanne Klatten, konnten sich stets und verlässlich über Milliardendividenden freuen. Nun aber droht Ungemach; auf einmal reden die Menschen über Enteignungen. Er ahnt: Diese Debatte ist kein »Kurzzeitphänomen«.

Das ist zu viel, die Quandts müssen in die Medienoffensive. Letzte Woche teilten die Geschwister dem Managermagazin mit: »Neid ist in Deutschland weit verbreitet«. Und dann, im Ernst: »Wer würde denn mit uns tauschen wollen?« Die Frage ist rhetorisch, die Antwort trotzdem einfach. Niemand. Die arme, reiche Klatten zum Beispiel ist so einsam, dass sie auf einen Gigolo hereingefallen ist, den sie später um die halbe Welt jagen musste – dahin fließt der Mehrwert der BMW-Arbeiter also.

Wir (echter Plural) haben da einen besseren Vorschlag als den Tausch. Schreibt euch das hinter die Ohren, Quandts und Co.: Irgendwann kommen wir. Und dann nehmen wir euch alles weg.

Debatte

  • Beitrag von josef w. aus H. (25. Juni 2019 um 01:29 Uhr)
    2017 erhielten die Geschwister Kladden-Quandt 1.127.000.000 Euro an Dividenden aus BMW-Aktien. Da muss eine alte Frau lange für stricken, wie man in Westfalen sagt.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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