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Aus: Ausgabe vom 18.06.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Verdrängte Sprache

Politisches Feuilleton | Mo., 7.20 Uhr, DLF Kultur
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Nicht traurig um geringes DDR-Spracherbe: Schriftsteller Rolf Schneider

Welche Wörter aus dem Sprachschatz der DDR-Bewohner haben die Annektion durch die BRD überstanden? Rolf Schneider fallen »Kaufhalle« für Supermärkte, »Plaste« statt »Plastik« und die »Datsche« ein. In seinem am Montag morgen im Deutschlandfunk Kultur gesendeten Radioessay kommt Schneider zu dem Schluss: »Insgesamt ist das Vorkommen an DDR-Einsprengseln im heutigen Deutsch recht mager.« Er kommt »auf etwa ein halbes Dutzend Wörter«.

Für den einstigen Redakteur der 1958 eingestellten DDR-Kulturzeitschrift »Aufbau« ist die »offizielle« DDR-Sprache »so hölzern und hässlich, dass sie sich in der normalen Konversation kaum zu halten vermochte und kaum Spuren hinterließ«. Ein Grund sei, dass man die DDR verdrängen möchte. Für Schneider ist sie etwas »Misslungenes, Ungutes«, eine »Niederlage«. Wohl eher hat sich auch sprachlich die kapitalistische BRD-Kultur am Ende als dominantere erwiesen, nicht zuletzt durch die Personalpolitik in Wirtschaft und Verwaltung. (mb)

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