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Aus: Ausgabe vom 18.06.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Finanzmärkte

Bad Bank am Main

Deutsche Bank gliedert Derivate im Wert von 50 Milliarden Euro aus. Abbau des Investmentgeschäfts geht nur schleppend voran
Von Simon Zeise
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Blicken von oben auf den sinkenden Aktienkurs: Deutsche-Bank-Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner (l.) und Vorstandschef Christian Sewing (Frankfurt am Main, 24.5.2018)

Die Deutsche Bank wird ihrem Geschäftsmodell gerecht. Ihre neueste Filiale wird eine Bad Bank, in der faule Kredite im Wert von 50 Milliarden Euro gebunkert werden sollen, ließ das Geldhaus am Sonntag abend über die Financial Times durchsickern.

Ende März hatte die Bank in der Bilanz den Marktwert ihrer Derivate auf 331 Milliarden Euro beziffert – die gesamte Bilanzsumme der Bank belief sich auf 1,44 Billionen Euro. Bei Derivaten werden Wetten auf steigende oder sinkende Kurse von Wertpapieren, Zinssätzen oder Wechselkursen plaziert, ohne dass man den jeweils zugrunde liegenden Vermögenswert selbst besitzt. Sollte das Geldhaus 50 Milliarden Euro an Derivaten abstoßen, würde das zwar Risiken minimieren – der Effekt wäre aber nicht allzu hoch.

Vor zwei Jahren hatte die Bank bereits auf Altlasten von 60 Milliarden Euro in ihrer Investmentbank hingewiesen, die dort abgewickelt würden. Womöglich handelt es sich um genau dieses Portfolio, berichtete die Süddeutsche Zeitung am Montag.

Die Bank selbst wollte den Bericht nicht konkret kommentieren, sondern verwies auf frühere Aussagen: »Auf der Hauptversammlung im Mai haben wir angekündigt, dass wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen werden, um unsere Transformation zu beschleunigen und die Profitabilität nachhaltig zu steigern. Wir werden Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre und die Öffentlichkeit so bald wie möglich über die Ergebnisse informieren.«

Die Deutsche Bank hat bereits Erfahrung mit einer internen Bad Bank gesammelt. Dabei wird das ausrangierte Geschäft vom Kerngeschäft getrennt, bleibt aber in der eigenen Bilanz. Ihre letzte Bad Bank (NCOU) hatte die Deutsche Bank Ende 2016 nach knapp vier Jahren geschlossen. Anfangs lagerten dort risikogewichtete Anlagen im Volumen von 128 Milliarden Euro. Die Deutsche-Bank-Aktie legte am Montag um fast vier Prozent zu.

Das Geldhaus aus Frankfurt am Main muss auf die schlechte Kursentwicklung reagieren. Das Investmentgeschäft hat in den vergangenen zwei Quartalen Verluste eingebracht. Der Aktienkurs sank auf den niedrigsten Stand in der 149jährigen Geschichte der Bank. Der Vorstand strebt in diesem Jahr eine Rendite von mindestens vier Prozent an, die aber unter den meisten der Konkurrenten liegt. Im ersten Quartal wurde jedoch nur eine Rendite von 1,3 Prozent erzielt. Die Ratingagentur Fitch hatte vor rund zwei Wochen die Bonitätsnote der Deutschen Bank gesenkt. Das langfristige Rating sei mit »BBB« eine Stufe schlechter als zuvor, teilte Fitch am 7. Juni mit. Darin zeigten sich die anhaltenden Schwierigkeiten sowie ungenügenden Fortschritte bei der Profitabilität und der Stabilisierung des Geschäftsmodells. Nach der Herabstufung lag die Bonitätsnote von Deutschlands größtem Geldhaus nur noch zwei Stufen über dem Ramschniveau. Zwar könne eine rasche und effektive Umsetzung der Umbaupläne es der Bank ermöglichen, das Geschäftsmodell der Deutschen Bank zu stabilisieren und akzeptable Renditen zu erzielen. Das könne im Laufe der Zeit auch zu einer besseren Bonitätsnote führen. »Jedoch glauben wir, dass es schwierig wäre, eine weitere Restrukturierung umzusetzen.« Sollte die Bank keine akzeptableren Renditen erwirtschaften, würde dies möglicherweise zu einer weiteren Herabstufung führen, warnte Fitch.

Am gleichen Tag hatte die Kölner Staatsanwaltschaft Untersuchungen gegen die Deutsche Bank im Zusammenhang mit »Cum-Ex«-Steuertransaktionen ausgeweitet. Die seit August 2017 gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank ermittelnde Behörde habe nun Untersuchungen »gegen weitere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder« eingeleitet. Inzwischen wird gegen mehr als 70 Mitarbeiter und Manager der Bank ermittelt. Darunter befindet sich auch der Vizevorstandschef und oberste Investmentbanker Garth Ritchie. Der Fisch stinkt vom Kopf her: Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters steht auch der frühere Kovorstandschef Anshuman Jain unter Verdacht, der bis Mitte 2015 an der Spitze des Instituts stand.

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