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Aus: Ausgabe vom 15.06.2019, Seite 1 / Ausland
Frauenstreik Schweiz

Pfannenkonzerte und Streik

Zehntausende Frauen in der Schweiz haben gegen anhaltende Ungleichbehandlung protestiert
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Farbe des Tages: Lehrerinnen streiken am Freitag in Lila für mehr Gleichberichtigung in Zürich

In der Schweiz hat am Freitag der zweite nationale Frauenstreik stattgefunden. Erstmals hatten 1991 Hunderttausende Frauen für ihre seit 1981 in der Verfassung verankerte Gleichberechtigung gestreikt. Im Aufruf vom 10. März, der von der nationalen Streikversammlung verabschiedet wurde, wird u. a. gleicher Lohn für gleiche Arbeit verlangt – in der Schweiz verdienen Frauen durchschnittlich rund 18 Prozent weniger als Männer und erhalten bei gleicher Tätigkeit einen rund acht Prozent niedrigeren Lohn. Auch wird eine Wirtschaftspolitik eingefordert, die bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit ins Zentrum rückt. Ein nationaler Präventionsplan soll sexualisierter Gewalt entgegenwirken und diese nicht bagatellisieren, sondern kriminalisieren – und als Asylgrund anerkennen, soweit Migrantinnen betroffen sind.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete, stellten sich auch die Gewerkschaften an die Seite der Frauen und forderten in einem Manifest Lohngleichheit, die Anerkennung und gerechte Verteilung von Haus- und Pflegearbeit, eine generelle Verringerung der Arbeitszeit, um bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilen zu können, sowie Schwangerschaftsabbruch und Empfängnisverhütung zum Nulltarif.

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»Hey Junge, nicht dein Spielzeug!« – Auch in Lausanne beteiligen sich Tausende am Frauenstreik

Um 0.01 Uhr in der Nacht auf Freitag wurde der Streiktag mit lauten Pfannenkonzerten und Autokorsos eingeleitet. Wie das Züricher Nachrichtenportal Watson berichtete, waren landesweit Zehntausende an Demonstrationen, Aktionen und Blockaden beteiligt. Politikerinnen aus allen Fraktionen versammelten sich am frühen Nachmittag auf dem Balkon des Bundeshauses in Bern und warben für einen höheren Frauenanteil im Parlament bei den Wahlen im Oktober. Der Züricher Bahnhof wurde zeitweise besetzt, und in Lausanne stimmten Hunderte Frauen in der Bahnhofshalle eine feministische Hymne an. Am Vormittag war in Zürich eine »Klitoriswanderung« mit dem Ziel »Aufklärung ohne Sexismus« gestartet. Beendet werden sollte der Tag um 17.00 Uhr mit Großkundgebungen in mehreren Städten, zu denen Zehntausende Teilnehmerinnen angemeldet worden waren. (jW)

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