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Aus: Ausgabe vom 14.06.2019, Seite 15 / Feminismus
Politischer Streik

»Lohn. Zeit. Respekt.«

Frauenstreik: Schweizer Gewerkschaften stellen weitreichende Forderungen
Von Claudia Wangerin
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Bereits am 1. Mai wurde in Zürich für den Frauenstreik mobilisiert

Die Fahnen für den schweizweiten Frauenstreik unter dem Motto »Lohn. Zeit. Respekt.« an diesem Freitag sind jedenfalls ausverkauft – dies vermeldete der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB-USS in dieser Woche auf der eigens für den Anlass eingerichteten Internetseite www.14juni.ch.

Die Organisatorinnen wollen »zeigen, dass ohne die sichtbare und unsichtbare Arbeit der Frauen nichts mehr läuft« und fordern »eine tatsächliche Gleichstellung, jetzt und überall«. Frauen sollten daher »Lärm machen und die Arbeit niederlegen« – sei es Lohn- oder Hausarbeit.

Hierzulande hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und auch die für traditionell »weibliche« Dienstleistungsberufe zuständige Gewerkschaft Verdi offiziell nicht zum Frauenstreik am 8. März aufgerufen – sie verwiesen dabei auf das Verbot des politischen Streiks. Allerdings gab es genau zu dieser Frage in verschiedenen Städten Diskussionsveranstaltungen in Räumen von Verdi. Stimmen, die dafür plädieren, sich das Recht auf politischen Streik beziehungsweise Generalstreik zugunsten politischer Forderungen an die Gesetzgebung in Deutschland einfach zu nehmen, wurden während der Mobilisierung für den Frauenstreik am 8. März lauter.

In der Schweiz ist das gar keine Frage: »Deine Gewerkschaft unterstützt dich und deine Kolleginnen beim Vorbereiten und Durchführen von Aktionen«, heißt es auf der Internetseite der Gewerkschaften für den Frauenstreik an diesem 14. Juni. Geplant sind Kundgebungen, Flashmobs, Demonstrationen und symbolische Straßenumbenennungen. Viele der Forderungen kommen auch Männern zugute, bedeuten aber vor allem für Frauen, die häufiger prekär beschäftigt sind, eine enorme Verbesserung. Verlangt werden unter anderem »Kürzere Vollzeit von 30 bis maximal 35 Stunden pro Woche statt Teilzeitfalle« sowie ein flächendeckener Mindestlohn von 4.000 Schweizer Franken (ca. 3.560 Euro) pro Monat und ausreichend Urlaube für die Pflege von Angehörigen. Zudem wird beispielsweise wirksamer Schutz vor sexueller Belästigung gefordert.

»Wirtschaftsnahe« bürgerliche Feministinnen werfen derweil den Gewerkschaften vor, das Thema Gleichstellung einseitig zu besetzen. Die Neue Zürcher Zeitung zitierte dazu am Mittwoch Claudine Esseiva, Vorstandsmitglied und designierte Präsidentin des Vereins Business and Professional Women Switzerland (BPW): »Die Gewerkschaften hätten den Streik nicht für sich in Anspruch nehmen dürfen. Sie haben das Thema aus meiner Sicht monopolisiert.« Der Verein distanzierte sich in einem eigenen Forderungskatalog von dem Begriff »Streik« und schlug vor, von einem »Aktionstag« zu sprechen. »Als Berufsfrauen streiken wir nicht, nutzen aber diesen Tag, um unsere Stimme zu erheben und aufzurufen, dass sich Frauen und Männer für mehr Chancengleichheit engagieren!« Die Business-Ladies fordern unter anderem »ambitionierte Zielwerte für die Geschlechter in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen« und regelmäßige Lohngleichheitsanalysen für Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden. Allerdings ist hier – anders als bei den Gewerkschaften – keine Rede von Kontrollen und Sanktionen gegen Unternehmen, die Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlen.

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