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Aus: Ausgabe vom 13.06.2019, Seite 8 / Ansichten

Wiederaufnahme des Tages: René Pollesch

Von Jakob Hayner
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Guess who’s back? René Pollesch

Ab 2021 heißt die Berliner Volksbühne wieder »am Rosa-Luxemburg-Platz«. Ihr Leiter ist dann René Pollesch. Den Bezug zur revolutionären Arbeiterbewegung hatte der Kurzzeitintendant Chris Dercon aus dem Namen entfernen lassen. Nun kehrt er zurück, ebenso wie Pollesch. Der leitete einst die Nebenspielstätte Prater und arbeitete unter Intendant Frank Castorf als Regisseur an dem Haus. Und doch ist seine Berufung keine nostalgische Rückkehr. Auch wenn Pollesch viele Künstler an die Volksbühne zurückbringen wird, die dort schon gearbeitet haben: Die Schauspieler Sophie Rois, Fabian Hinrichs, Kathrin Angerer und Martin Wuttke, auch mit Alexander Scheer sei man im Gespräch heißt es. Vegard Vinge und Ida Müller, die zudem die Chefausstatterin des Hauses wird, sollen repertoirefähige Abende für die große Bühne entwickeln, zwei pro Spielzeit. Ebenso oft will Pollesch selbst inszenieren. Zu ihnen stoßen unter anderen die Performerin Florentina Holzinger und die Choreographin Constanza Macras. Der Prater wird wieder Spielstätte.

Pollesch will zunächst einen Arbeitszusammenhang wiederherstellen. Es gehe ihm um die Praxis, betonte er auf der gestrigen Pressekonferenz im Roten Salon. Man müsse von den Schauspielern her denken, die sich mit Autoren verbünden – auch gegen die Vorherrschaft und Selbstherrlichkeit der Regisseure. Der in dem Zusammenhang erwähnte Dramatiker Wolfram Lotz wäre diesbezüglich sicherlich interessant. Mit Bezug auf Bertolt Brecht und den französischen Philosophen Alain Badiou sowie unter Verzicht auf die im Theater üblichen Phrasen begründete Pollesch seine Idee einer künftigen Volksbühne, deren Programm von der Produktion und den Produzenten ausgeht. »Tous ensemble«, alle zusammen, so ist der auf der Pressekonferenz verteilte Text mit seinen Vorstellungen betitelt, die Parole ist oft auf linken Demonstrationen in Frankreich zu hören. Ob Pollesch eine neue Verbindung von radikaler Politik und Ästhetik gelingen wird? Immerhin: Er will es versuchen – und zwar in der Praxis, nicht nur mit Schlagworten.

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