Der Schwarze Kanal
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Müll auf dem Heimweg

Kanada nimmt 69 Container mit exportiertem Müll von den Philippinen zurück
Von Thomas Berger
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Das Frachtschiff »MV Bavaria« wird im Hafen von Subic Bay mit Müllcontainern beladen (30.5.2019)

Einen erleichterten Abschiedsgruß via Twitter schickte Teodoro Locsin. »Baaaaaaaaa bye, as we say it«, schrieb der philippinische Außenminister, ergänzt um ein Bild des sich entfernenden Frachtschiffes »MV Bavaria«. Das hat am Freitag eine 20tägige Seereise nach Vancouver angetreten. An Bord hat der unter liberianischer Flagge fahrende Frachter 69 Container mit gemischtem Müll, den er wieder nach Kanada zurückbringt. Eine knapp sechsjährige »Müllsaga«, die die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zuletzt immer mehr belastet hatte, geht damit zu Ende. Der südostasiatische Inselstaat hatte seinen Botschafter aus Ottawa zurückgerufen, Präsident Rodrigo Duterte dem Absender in seiner typischen, um verbale Entgleisungen nicht verlegenen Rhetorik sogar dramatisch mit »Krieg« gedroht.

Nunmehr zeigen sich alle Seiten zufrieden, dass der Konflikt vom Tisch ist. Kanadas Umweltministerin Catherine McKenna bestätigte noch am Donnerstag, dass man gut mit der philippinischen Seite zusammenarbeite, um die gefundene Lösung umzusetzen. Die Regierung in Manila hatte Kanada eigentlich ein Ultimatum bis 15. Mai gesetzt, um die Container auf den Rückweg zu bringen. Es dauerte allerdings noch weitere vier Tage, bis die Zuständigen in Ottawa endlich erklärten, einen Broker gefunden zu haben. Das ist die Firma Bollore Logistics Canada, kanadische Tochter eines französischen Schiffahrtsgiganten. Ursprünglich hätte die Umsetzung dann erst im Juni erfolgen sollen, doch Manila ließ sich darauf nicht ein, setzte bis Monatsende eine letzte Deadline. Nach sechsstündiger Ladetätigkeit waren am frühen Freitagmorgen um 3.19 Uhr die letzten Container an Bord. 67 davon hatten noch in Subic Bay gelegen, jenem Hafen, den die USA dereinst jahrzehntelang in ihrer früheren Kolonie als Außenposten für Kriegsschiffe genutzt hatten. Zwei Container wurden aus Manila zurückgeholt.

Die umstrittene Fracht war 2013 eingegangen, laut den Begleitpapieren handelte es sich um Plastikabfälle. Als man die anfangs über 100 Container prüfte, war aber nur ein ganz kleiner Teil recyclebare Plastikflaschen und dergleichen zu finden, die weitaus größere Menge bestand aus anderen Abfällen, Elektronikschrott, Windeln. Jahrelang verweigerte Kanada allerdings eine Rücknahme mit der Begründung, es habe sich um ein privates Geschäft gehandelt. Wiederholte Protestaktionen von Umweltgruppen, Demonstrationen mit Botschaften wie »Nehmt euren Müll zurück« sowie der diplomatische Druck sorgten für ein Umdenken. Nicht nur Wilma Eisma, Chefin der Stadtverwaltung von Subic Bay, ist erleichtert, wenigstens dieses 1.300 Tonnen umfassende Müllpro­blem los zu sein.

Die Episode illustriert deutlich einen Trend: Südostasiens Nationen begehren dagegen auf, zur »Mülldeponie« des Erdballs zu werden. 2018 hatte Chinas Regierung verfügt, keine Plastikabfälle aus dem Westen mehr zum Recycling anzunehmen, woraufhin sich die Frachtrouten in Richtung der südlichen Nachbarstaaten verschoben. Malaysia will nun ebenfalls hart durchgreifen, wie Umweltministerin Yeo Bee Yin dieser Tage sagte, als sie verkündete, 3.000 Tonnen illegal aus den USA, Australien, Großbritannien, Deutschland und Spanien in ihr Land verschifften Plastikmüll umgehend zurückzusenden.

Die Kolumne von Lucas Zeise erscheint nach einer kurzen Urlaubspause am 15. Juni wieder.

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