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Aus: Ausgabe vom 24.05.2019, Seite 16 / Sport
Boxen

Ein Fall für Putin

Der Amateurbox-Weltverband AIBA soll von den Olympischen Spielen 2020 ausgeschlossen werden
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Beim IOC Persona non grata: AIBA-Expräsident Gafur Rachimow (l.)

Lausanne. Die Exekutive des Internationalen Olympische Komitees (IOC) hat der Vollversammlung vorgeschlagen, den Amateurboxweltverband (Association Internationale de Boxe, AIBA) von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio auszuschließen. Dabei soll Boxen aber im Tokioter Programm bleiben. Eine IOC-Taskforce unter dem Vorsitz des japanischen IOC-Mitglieds Morinari Watanabe hat den Auftrag erhalten, sowohl die Qualifikationsturniere als auch das olympische Boxturnier zu organisieren – in acht Männer- und fünf Damengewichtsklassen.

Eine IOC-Kommission hatte bei der AIBA in den letzten Monaten auf den Gebieten Good Governance, Finanzen und Ethik Untersuchungen angestellt und der IOC-Exekutive schließlich den Ausschluss vorgeschlagen. Zum Stolperstein für die AIBA wurde neben vielen Skandalen wohl auch Expräsident Gafur Rachimow. Der Usbeke, obwohl von US-Behörden als einer der führenden Kriminellen seines Landes eingestuft, soll in der AIBA weiter im Hintergrund die Strippen ziehen.

Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsportverbandes (DBV) und seit neun Jahren Teil der AIBA-Führung, rechnet mit einer Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS: »Es ist davon auszugehen, dass die AIBA die Suspendierung nicht hinnehmen wird«. Er kritisierte die Entscheidung heftig: Man habe alle geforderten Änderungen durchgeführt und dokumentiert. Die Association war vor der Sitzung der IOC-Exekutive der Überzeugung, alle Auflagen erfüllt zu haben. Das Kampfrichterwesen wurde reformiert, zwei zusätzliche Aufpasser sollen die Ringrichter und fünf Punktrichter in Zukunft kontrollieren. Die Finanzen wurden konsolidiert. Ein russisches AIBA-Exekutivmitglied ist bereit, für die 16 Millionen US-Dollar Schulden des Verbandes einzustehen.

Kyas vermutet einen »Rachefeldzug« von IOC-Chef Thomas Bach für den früheren AIBA-Präsidenten Wu Ching-Kuo (Taiwan), unter dem der Verband Schulden in Höhe von 40 Millionen US-Dollar angehäuft hatte. Wu ist bei der Association auf Lebenszeit gesperrt, genießt aber offenbar Bachs Unterstützung und gehört weiterhin dem IOC an. Wenn nun die diesjährige AIBA-Box-WM in Russland kein olympisches Qualifikationsturnier mehr sein sollte, »dann hat Bach Putin am Hals«, so Kyas. Der Sport ist in Russland sehr populär. (dpa/sid/jW)

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