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17.05.2019, 17:41:22 / Feuilleton
Literatur

Hoffnung für Hölderlin

Es trifft die Richtige: Die Schriftstellerin Anke Stelling erhält den Friedrich-Hölderlin-Preis
Es gibt auch was zu lachen: Anke Stelling erhält den Friedrich-H
Es gibt auch was zu lachen: Anke Stelling erhält den Friedrich-Hölderlin-Preis

Es ist ja nie zu spät zu gratulieren. Wie die Stadt Bad Homburg bereits am Mittwoch mitteilte, verleiht sie den diesjährigen Friedrich-Hölderlin-Preis an Anke Stelling. Das ist aus mehrerlei Gründen beachtlich: Zunächst, weil Stelling wirklich schreiben kann, was bei Literaturpreisträgern selten genug ist. Noch interessanter ist allerdings, dass die Autorin zu der seltenen Spezies Schriftstellerin gehört, welche ihre Augen nicht vor den sozialen Folgen des So-langsam-aber-richtig-Spätkapitalismus verschließt, sondern diese zu ihren Themen macht. Das ist natürlich auch konservativ gestrickten Kritikkoryphäen nicht entgangen, die darob ganz kiebig werden und von »Gesinnungsästhetik« faseln. Weshalb wiederum mit Freude festzuhalten ist, dass die Bad Homburger Jury Stelling auf ihrem »Bitterfelder Weg« (Die Zeit) mit 20.000 Euro zu alimentieren gedenkt. Ihre Prosa, heißt es in der Begründung »analysiert auf hoch sensible Weise die Mittelstandsgesellschaft der Gegenwart. Ihre jüngsten Romane ›Bodentiefe Fenster‹, ›Fürsorge‹ und ›Schäfchen im Trockenen‹ bilden zusammengenommen eine Trilogie moderner Gemeinschaft.« Doch bevor es noch soziologischer wird, versichern die unbekannten Verfasser, Stelling arbeite vor allem »mit den eigentlichen Erkenntnisformen des Poetischen: mit Genauigkeit, Feinfühligkeit und Witz.« Es stimmt. Das ist wahrscheinlich die größte Überraschung. Es gibt noch Hoffnung, sogar für Hölderlin. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch. (pm)

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