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Aus: Ausgabe vom 21.05.2019, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Lohndumping

Gebäudereiniger wollen kämpfen

Unternehmer kündigen Rahmentarifvertrag. Friedenspflicht endet
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Schwindelfrei: Fensterputzer in Berlin

Die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) wehrt sich gegen Provokationen der Unternehmer. Die rund 650.000 bundesweit Beschäftigten würden sich nicht mit verschlechterten Arbeitsbedingungen abfinden, teilte die Gewerkschaft am Freitag in Frankfurt am Main mit. Mit der Kündigung des Rahmentarifvertrags der Branche hätten die Unternehmer gezeigt, wie sie sich die Zukunft für die Beschäftigten vorstellen.

Ihrer Meinung nach sollten diejenigen, die ohnehin schon am unteren Ende der Einkommensskala rangieren, kein bisschen mehr bekommen. »Die Wut unter den Beschäftigten wächst. Wir spüren das an jeder Stelle«, sagte der IG BAU-Regionalleiter für Hessen Hans-Joachim Rosenbaum. »Immer mehr entschließen sich, für ihre Rechte aufzustehen, und kommen zur IG BAU. Da braut sich eine Menge zusammen.«

Es stehe nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags einiges auf dem Spiel. Zuerst gefährdet sei die dort geregelte Zusatzvergütung von 25 Prozent für Überstunden. Nach einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichts haben auch Teilzeitbeschäftigte darauf einen Anspruch. In der Gebäudereinigung arbeiten rund 80 Prozent in Teilzeit. Erklärtes Ziel der Unternehmer sei es, dass die Mitarbeiter trotz der Entscheidung leer ausgingen. Doch dies sei »kein Deal auf den sich die IG BAU einlässt«. Die Beschäftigten seien nicht bereit, sich zum »billigen August« machen zu lassen. »Jeden Angriff auf unsere Rechte werden wir mit aller Kraft abwehren«, so die Gewerkschaft. »Das Selbstbewusstsein wächst von Tag zu Tag.« Es gehe dabei um eine sichere Zukunft, und es gehe um Respekt gegenüber hart arbeitenden Menschen.

Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags durch die Unternehmer verliert die Vereinbarung am 31. Juli 2019 ihre Geltung. Damit endet auch die Friedenspflicht in der Branche. (jW)

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