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»Safe Space« für Österreich

Von Rafik Will
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Space is the place: Auf dem Mond ist man immerhin vor der FPÖ sicher

Gerade macht Österreich mit einer Regierungskrise international Schlagzeilen. Doch auch schon vorher konnte sich die kleine Alpenrepublik nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beschweren. Viel Beachtung bekam etwa das Hickhack um den ORF. Gegenstand der Aufregung war dabei die Personalie Armin Wolf. Der beliebte Nachrichtenmoderator hatte mehrfach FPÖ-Politiker kritisch interviewt und damit war dafür von diesen hart angegangen worden. Während es beim ORF-Fernsehen also recht ungemütlich zuzugehen scheint, kann man das Radioprogramm von ORF Ö1 schon als progressiven »Safe Space« bezeichnen.

Ein empfehlenswerter Programmpunkt ist jedenfalls Johannes Gelichs Literaturfeature »Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit« (ORF 2019; Di., 16 Uhr, ORF Ö1). Es beschäftigt sich mit dem gleichnamigen Buch des jüdisch-rumänischen Schriftstellers M. Blecher. Der 1909 geborene Dichter starb im Alter von 29 Jahren. Der Vertreter der rumänischen Moderne war an Knochentuberkulose erkrankt und dadurch bei der Arbeit an seinem Werk in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

In den Medien beschäftigt man sich gerne mit Medien (in dieser Kolumne z. B.), weshalb Eva Garthe ein Feature über die gute alte Schallplatte liefert: »Die Welt ist eine Scheibe – Über das Revival der Vinyl-Schallplatte« (RB 2017; Mi., 20 Uhr, NDR Kultur). Zeitgleich wird in Jakob Noltes Mockumentary »Unbekannte Meister 4« (BR 2018; Di., 20 Uhr, DLF) die Werbung als Kunstform entdeckt.

Ein Großprojekt startet Mit te der Woche mit »Guter Rat« (WDR/BR/DLF 2019; ab Mi., 19 Uhr, WDR 3). Das Hörspiel trägt seinen Teil dazu bei, das 70. Jubiläum des Grundgesetzes zu würdigen. Der Titel spielt auf den Parlamentarischen Rat an, der es seinerzeit erarbeitete. Wie teuer dieser gute Rat war, wird in der »dokumentarischen Hörspielserie« wahrscheinlich nicht verraten. Die vierstündige Sendung läuft diese Woche auf allen möglichen Kanälen, vornehmlich den Kulturradios. NDR Kultur hat gleich den ganzen Abend freigeräumt, um ab 20 Uhr mit der Produktion das Programm zu füllen. Als kritische Begleitlektüre empfehlen wir die jW-Serie »Wer ist hier Verfassungsfeind?« von Otto Köhler.

Der Hörspielmacher Heiner Goebbels arbeitet in »Roman Dogs« (SWF/WDR/HR 1994; Do., 22 Uhr, SWR 2) antike Stoffe auf, während verschiedene Musikerinnen und Hörspielmacherinnen – unter ihnen auch der ein oder andere Mann – »Cadavre Exquis – Ein Melodram« (Konzerthaus Berlin/DLF Kultur 2018; Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) zu Gehör bringen. Dabei wird ein zeichnerischer Partygag als Kompositionstechnik genutzt.

Marcel Raabe und Manuel Waltz untersuchen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter verschärften Bedingungen: »Liebe in Zeiten der Schichtarbeit« (DLF 2019; Fr., 20 Uhr, DLF). Eine literarische Klassikeradaption ist mit »Der Weibsteufel« nach Karl Schönherr (ORF/SWR 2019; Ursendung Fr., 22 Uhr, SWR 2) auch im Angebot.

Ulrike Janssen und Norbert Wehr arbeiten die Tagebücher des Cineasten Jonas Mekas in ihrem Feature  »Lauter vergangene Momente« (SWR/WDR 2014; Sa., 12 Uhr und So., 15 Uhr, WDR 3) auf, während der berühmte Filmemacher Harun Farocki in seinem  »So long good-bye« (WDR 1978; Sa., 18 Uhr, DLF Kultur) eine Produktionssitzung im Tonstudio mit dem Mikro begleitet.

»Lola rennt«-Feeling kommt mit Yasmina Rézas »Drei Mal Leben« (DRS 2001; So., 17 Uhr, SRF 2 Kultur) auf – hier werden Beziehungsdramen in drei Anläufen durchgespielt. Ingeborg Bachmann macht »Ein Geschäft mit Träumen« (RWR Wien 1952; So., 18.20 Uhr, SWR 2), und Alexandre Seurat präsentiert mit »Die Ungeschickte« (DLF Kultur 2019; Ursendung Mo., 21.30 Uhr, DLF Kultur) ein Krimidrama.

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