Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Montag, 27. Mai 2019, Nr. 121
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.05.2019, Seite 16 / Sport
Doping

»Operation Aderlass«

Tour_de_France_2014_39069229.jpg
»Keine Ahnung«: Alessandro Petacchi bei der Tour de France 2014

Aigle. Was im Schnee von Seefeld begann, hat immer mehr mit Profiradsport zu tun. Am Mittwoch belegte der Radsportweltverband UCI den früheren italienischen Sprintstar Alessandro Petacchi und drei weitere Fahrer mit vorläufigen Sperren; mehr und mehr rückt der Radsport ins Zentrum des Blutdopingskandals um den Mediziner Mark S., der mit der »Operation Aderlass« am Rande der nordischen Ski-WM ins Rollen kam. Noch am Dienstag hatte Petacchi (45), der 22 Giro-Etappen gewann und heute TV-Experte in seiner Heimat ist, erklärt: »Ich habe erfahren, dass dieser Mark S. ein Arzt bei Milram war, als ich dort gefahren bin. Vielleicht hat er sich um die deutschen Fahrer gekümmert. Ich bin aber nie in seine Praxis in Deutschland oder anderswo gegangen, hatte noch nie eine Bluttransfusion. Ich habe keine Ahnung, warum mein Name in der Datei auftaucht.«

Die UCI teilte nun mit, sie habe auf der Grundlage von Informationen österreichischer Strafverfolgungsbehörden gehandelt. Bei Petacchi gehe es ebenso wie bei den slowenischen Exprofis Kristjan Koren und Borut Bozic um verbotene Methoden der Leistungssteigerung in den Jahren 2012 und 2013. Der Kroate Kristijan Durasek soll die Regularien 2017 verletzt haben.

Petacchi war einst einer der hellsten Sprintersterne der Szene, er gewann sechs Etappen der Tour de France, fuhr einmal auch im Grünen Trikot, triumphierte auf 20 Abschnitten der Vuelta und 2005 beim Klassiker Mailand–Sanremo.

Zum Zeitpunkt der fraglichen Infusionen war Petacchi bei Lampre (2012) und Quick-Step (2013) tätig. Beim deutschen Team Milram stand er ebenso wie Erik Zabel von 2006 bis 2008 unter Vertrag. Die Zusammenarbeit endete, nachdem Petacchi aufgrund eines positiven Dopingtests wegen eines überhöhten Wertes des Asthmamittels Salbutamol im Blut gesperrt wurde.

Am Sonntag hatte der deutsche Exprofi Danilo Hondo (45) Blutdoping im Jahr 2011 eingeräumt und war daraufhin als Schweizer Nationaltrainer entlassen worden. Sieben Exradprofis sind nunmehr in die »Operation Aderlass« verwickelt, bei der es ursprünglich um Skilanglauf, später auch um Eisschnelllauf und Leichtathletik ging. (sid/jW)

Mehr aus: Sport