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Aus: Ausgabe vom 16.05.2019, Seite 15 / Medien
Rache des Systems

Schreibt Julian Assange

Internationale Briefkampagne soll Isolation des Wikileaks-Gründers verhindern
Von Rüdiger Göbel
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Aus dem Asyl verjagt: Julian Assange auf dem Balkon der Botschaft Ecuadors in London 2017

»Bitte schreibt Julian Assange«, lautet ein Appell von Unterstützern des Journalisten und Wikileaks-Gründers. Die globale Briefkampagne soll die Isolation des Verfemten durchbrechen helfen. Am 11. April war Assange in London festgenommen worden, nachdem Ecuador dem Australier das politische Asyl in der dortigen Botschaft des Andenstaats entzogen hatte. In einem Blitzverfahren wurde der 47jährige zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt. Der Vorwurf: Assange habe mit seiner Flucht in die Botschaft vor sieben Jahren gegen Kautionsauflagen verstoßen und sich der britischen Justiz entzogen.

Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Festnahmen hat das Strafmaß und die Inhaftierung in einem Hochsicherheitsgefängnis als »unverhältnismäßig« verurteilt. Die Rechtsexperten zeigten sich »tief beunruhigt«. Die UN-Arbeitsgruppe wirft Großbritannien vor, den »willkürlichen Freiheitsentzug« für Assange zu verlängern. Es sei so absurd wie alarmierend, dass der Enthüllungsjournalist für den Verstoß gegen Kautionsauflagen fast ein Jahr absitzen soll, und das Ganze in einem Gefängnis unter Isolationshaftbedingungen.

Die politisch engagierte US-Schauspielerin Pamela Anderson hat Assange vergangene Woche im Gefängnis besuchen können. Sie fürchte um sein Leben, sagte sie danach vor der Presse. »Wir müssen sein Leben retten. So ernst ist die Lage.« Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson, der Anderson begleitet hatte, erklärte, Assange sei »angeschlagen, aber nicht gebrochen«. Seine Widerstandskraft rühre daher, dass er wisse, dass er unschuldig sei.

Hintergrund der Verfolgung Assanges sind Enthüllungen über US-Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan, allen voran das Video »Collateral Murder«, das die brutale Ermordung von zwölf Zivilisten in Bagdad durch die Besatzung eines US-Kampfhubschraubers dokumentiert. (collateralmurder.wikileaks.org) Aktuell muss sich der Journalist deswegen eines Auslieferungsbegehrens der USA erwehren. Nach den Veröffentlichungen drohen ihm dort lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe.

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Logo der Kampagne »Free Assange«

Mittlerweile ist auch die schwedische Justiz wieder aktiv geworden: Die dortige Staatsanwaltschaft gab kürzlich bekannt, Vorermittlungen gegen Assange wegen der bereits damals erhobenen und später nicht weiter verfolgten Vergewaltigungsvorwürfe wiederaufzunehmen und gegebenenfalls ebenfalls ein Auslieferungsverfahren anzustrengen. Im Gegensatz zu den Anschuldigungen aus Übersee hat Assange die schwedischen Vorwürfe stets bestritten und von einem politisch motivierten Verfahren gegen ihn gesprochen.

Wer Assange schreiben will, sollte nach Angaben der Unterstützergruppe »Unity4Julian« folgendes beachten: Die Solidaritätsbriefe sollten kurz und persönlich gehalten sein. Die Post wird von der Gefängnisverwaltung – und mutmaßlich vom Geheimdienst – gelesen. Auf der Rückseite müssen der vollständige Name und die Adresse angegeben sein, sonst wird das Schreiben nicht weitergeleitet. Nach Möglichkeit Blankopapier und leeren Umschlag mit britischem Rückporto beilegen – das kann zum Beispiel über frankaturware.com besorgt werden.

Wer des Englischen nicht mächtig ist, kann sich seinen Brief auf deepl.com per Copy-and-paste unkompliziert übersetzen lassen. Wichtig auch: Das Geburtsdatum muss auf der Anschrift vermerkt werden! Weitere Informationen: writejulian.com.

Beispiele von bereits verschickten Briefen finden sich unter dem Hashtag #LettersToJulian bei Twitter.

Mr Julian Assange
DOB: 3/07/1971
HMP Belmarsh
Western Way
London SE28 OEB
Vereinigtes Königreich

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