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Aus: Ausgabe vom 16.05.2019, Seite 2 / Ausland
Treffen in Sotschi

Den Gegner kommen lassen

Treffen von US-Außenminister mit Putin und Lawrow ohne Ergebnisse
Von Reinhard Lauterbach
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Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) und US-Außenminister Michael Pompeo am Dienstag in Sotschi

Der Besuch von US-Außenminister Michael Pompeo in Russland und seine Gespräche mit Außenminister Sergej Lawrow und Präsident Wladimir Putin haben keinen inhaltlichen Durchbruch gebracht. Vertreter der russischen Seite notierten aber mit Genugtuung eine »Rückkehr der USA zu einem geschäftsmäßigen Umgang« mit Russland. Die Gespräche seien »sachorientiert« gewesen; man habe zwar keinen Streitpunkt ausgeräumt, aber immerhin sei deutlich geworden, dass beide Seiten ein Interesse daran hätten, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. In diesem Sinne hatte zuvor auch Putin den Inhalt eines Telefongesprächs mit US-Präsident Donald Trump am Wochenende zusammengefasst. Russland sei bereit, die Beziehungen zu den USA »im vollen Format« wiederherzustellen, wenn dies auch auf der Gegenseite gewünscht sei. Möglicherweise wird bereits im Juni am Rande des G-20-Gipfels in Japan ein direktes Gespräch zwischen Trump und Putin stattfinden.

Zuvor hatte Lawrow Pompeos routinemäßige Vorwürfe gegenüber Russland ebenso routiniert zurückgewiesen. Die Warnung, Russland solle nicht versuchen, sich in die US-Wahlen des Jahres 2020 einzumischen, konterte Lawrow mit der Bemerkung, es seien schon für die Wahlen 2016 keine russischen Einmischungsversuche nachgewiesen worden. Die Aufforderung Pompeos an Russland, seine Unterstützung für den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro einzustellen, kommentierte Lawrow mit einem Vergleich zwischen den US-Interventionsdrohungen gegen Venezuela und dem Irakkrieg. Sie würden auch diesmal nichts Gutes bewirken. Dass die russische Armee pünktlich zum Pompeo-Besuch ein Video ins Netz stellte, das den Abwurf einer »intelligenten« russischen Bunkerbrecherbombe auf eine Stellung islamistischer Milizen in Syrien zeigte, war nach russischer Darstellung Zufall. Ebenso wie es die Tatsache sein sollte, dass Putin auf dem Weg nach Sotschi auf einem südrussischen Testgelände die Erprobung eines neuen Hyperschallflugkörpers beobachtet hatte. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von Anfang der Woche machen insbesondere diese neuen russischen Trägersysteme den USA Sorgen und wecken ihr Interesse, doch wieder ein Rüstungskontrollabkommen mit Russland abzuschließen. China lehnte unterdessen die US-Aufforderung ab, sich einem solchen neuen Vertrag anzuschließen.

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