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Aus: Ausgabe vom 30.04.2019, Seite 8 / Ansichten

Antibürgerrechtlerin des Tages: Linda Teuteberg

Von Sebastian Carlens
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Das ist sie. Linda Teuteberg aus Königs Wusterhausen.

Früher, als die FDP noch »dritte Partei« neben Union und Sozialdemokratie war, als es noch keine Grünen, keine Linke und keine AfD gab, da war die liberale Truppe eine Art Polit-Schwamm. Der sog auf, was nicht bei den anderen untergekommen war. Da gab es Gerhart Baum, Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Für die war »liberal« nicht ausschließlich »marktradikal«, sondern manchmal auch »sozialliberal«. Marktradikal natürlich ebenfalls. Aber halt nicht nur.

Diese Zeiten sind vorbei. Die neue Generalsekretärin, Linda Teuteberg, die am Sonntag auf dem FDP-Parteitag gewählt wurde, hat keinen Zweifel gelassen, dass sie mit solchen Figuren aus dem letzten Jahrtausend nichts anfangen kann. Schließlich geht es nicht mehr nur darum, von CDU und SPD Stimmen abzuzwacken. Die neue Konkurrenz kommt aus der »bürgerlichen Mitte«, also vom rechten Rand der Gesellschaft. Dem schrankenlosen Markt verpflichtet ist auch die AfD, nur spart sie sich das bürgerrechtliche Getue. Dieses Konzept scheint aufzugehen.

Von der AfD lernen heißt gewinnen lernen: Als Liberale könne sie es »nicht ertragen«, dass »Abschiebungen nicht durchgesetzt würden«, so Teuteberg. Als parlamentarischen Flügel der Repressionsorgane kannte man die FDP bislang nicht. Es gab Zeiten, in denen von ihren Politikern Verfassungsbeschwerden gegen »Onlinedurchsuchung« oder Vorratsdatenspeicherung kamen.

Auch sonst hat Teuteberg klare Vorstellungen. »30 Jahre nach dem Fall der Mauer« brauche Ostdeutschland »keine Sonderprogramme als Wahlkampfversprechen« mehr, findet sie. Das sollten die Wähler wissen, vor allem die aus dem Osten. Oder etwa? Die AfD wird doch gewählt, obwohl der flüchtige Blick ins Wahlprogramm beweist, dass vor allem die eigene Wählerschaft unter den avisierten Maßnahmen zu leiden haben wird. Es geht also!

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