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Aus: Ausgabe vom 20.04.2019, Seite 1 / Ausland
Nordirlandkonflikt

Journalistin in Nordirland getötet

Gewaltsame Ausschreitungen in Derry. Auslöser womöglich alljährliche Osterproteste
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Die Journalistin Lyra McKee, die am Donnerstag abend in Derry erschossen wurde, bei einem Fototermin in Belfast (19.5.2017)

In der nordirischen Stadt Londonderry, die von den meisten katholischen Einheimischen Derry genannt wird, ist am Donnerstag abend eine Journalistin mit einem Kopfschuss getötet worden. Der Tod der 29jährigen im Wohngebiet Creggan am Stadtrand sei wohl ein »terroristischer Vorfall«, teilte die Polizei am Freitag mit. Er könnte im Zusammenhang mit den alljährlichen Protesten stehen, die an den irischen Osteraufstand für die Unabhängigkeit vom Vereinten Königreich von 1916 erinnern. Am späten Donnerstag abend sollen mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden sein. Ein Unbekannter soll Schüsse abgefeuert haben, von denen Augenzeugen zufolge einer die Journalistin traf. Auf Bildern vom Tatort waren brennende Autos, gepanzerte Einsatzfahrzeuge der Polizei und schwer bewaffnete Sicherheitskräfte zu sehen.

Die Polizei leitete Mordermittlungen ein. Sie vermutet, dass hinter der Tat eine militante republikanisch ausgerichtete Gruppe namens »Neue IRA« stecken könnte. »Das ist nicht nur eine Attacke auf eine junge Frau, sondern gegen die Bürger dieser Stadt«, so ein leitender Polizist auf einer Pressekonferenz am Freitag nachmittag. Bereits seit Jahresbeginn sind in Derry wiederholt Sprengsätze explodiert, ohne dass Menschen verletzt wurden. Einer davon detonierte im Januar vor einem Gericht mitten in der Stadt, nachdem kurz zuvor eine Warnung bei den Behörden eingegangen war.

Derry erlangte 1972 traurige Berühmtheit, als britische Fallschirmjäger am 30. Januar, dem sogenannten Blutsonntag, 13 katholische Demonstranten erschossen. Ein weiterer starb Monate später an seinen Verletzungen. Am 14. März dieses Jahres schockierte der Fall erneut die Einwohner Derrys, als das Oberste Gericht in Nordirland nur einen einzigen Soldaten, »Soldier F«, für das Massaker anklagte. Bereits zuvor hatte die britische Ministerin für Nordirland, Karen Bradley, für Proteste gesorgt, als sie der britischen Armee und Polizei bescheinigte, während der Unruhen »keine Verbrechen« begangen zu haben. (dpa/jW)

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