Gegründet 1947 Donnerstag, 25. April 2019, Nr. 96
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 18.04.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Streit mit Motiv

Von Oliver Rast
TSV_1860_Muenchen_Vf_48367160.jpg
Gehört zur Fanfolklore: Banner gegen Mehrheitseigner Hasan Ismaik

München. Textzeilen aus der Schlagerparade gingen leicht abgewandelt schon immer in Gesang und Slogans der Fankurven ein. Fans des Drittligisten TSV München 1860 zeigten am 18. Februar beim 2:1-Erfolg gegen den VfR Aalen in der Westkurve des Grünwalder Stadions einen blau-weißen Doppelhalter: »Verdammt, ich lieb’ Dich« mit Vereinsemblem stand auf der oberen, »Ich lieb’ Dich nicht« mit durchgestrichenem Konterfei von Investor Hasan Ismaik auf der unteren Zeile.

Der Konflikt zwischen dem TSV 1860 München e. V. und der ausgegliederten Profiabteilung KGaA schwelt schon länger, Banner gegen Mehrheitseigner Ismaik gehören zur Fanfolklore. Zum Politikum wurde der Protestspruch erst, als auf der Startseite der Klubhomepage auf einem Foto mit Jubelszene das investorenkritische Banner wegretuschiert wurde. Selbst der ins Visier genommene Ismaik bewies Humor und erklärte am 13. März auf seiner Facebook-Seite: »Ich stehe für Meinungsfreiheit in der Löwen-Familie.«

»Löwenfans gegen rechts« (LFGR) reagierten und kreierten ein Soli-T-Shirt mit dem Motiv des zensierten Doppelhalters. Die Erlöse sollten der Jugendabteilung zugute kommen. Die Geschäftsführung schritt via Pressemitteilung vom 11. April ein: »Mit großer Besorgnis nehmen wir in den letzten Wochen eine immer aggressivere Stimmung in unserer Fanlandschaft wahr.« Die Initiatoren würden mit dem T-Shirt-Vertrieb eine weitere Eskalation in Kauf nehmen.

Schützenhilfe bekamen die Klubbosse zuvor von Facebook, der Post zur T-Shirt-Aktion wurde auf der LFGR-Seite gelöscht.

»Blanker Hohn«, quittierten die Antifa-Löwen einen Tag später den Brandbrief aus der KGaA-Zentrale – und fragten: »Wo ist das Engagement unserer Geschäftsführer, wenn Nazis im Stadion auf dem Zaun sitzen?« Und: »Wo ist eine deutliche Positionierung gegen Diskriminierung, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht?« Die Verantwortlichen sollten sich entscheiden, ob sie die LFGR als Feigenblatt oder Prügelknaben funktionalisieren wollten.

Am vergangenen Spieltag gegen Preußen Münster war das Textil schon vormittags vergriffen. »Die Reaktionen waren voller Unterstützung für unsere Sache«, freuten sich die LFGR gegenüber jW. Engagierte Fans wünschen sich eine Neuauflage.

Mehr aus: Sport