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Aus: Ausgabe vom 18.04.2019, Seite 15 / Medien
Hilfe, die Konkurrenz ist groß

Medienbosse zeigen Nerven

Gefahr für Gesellschaft? Burda-Chef Kallen will Facebook und Co. regulieren
Von Klaus Fischer
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Unter Konkurrenzdruck: Konzernlenker Kallen (M.) mit seinem »Arbeitgeber« und Verlagseigner Hubert Burda (r.)

Die deutschen Meinungsmacher sind seit längerer Zeit sauer auf Facebook und Co. Fortwährender Abonnentenschwund bei gedruckten Zeitungen und das mühsame Kleinklein bei der Vermarktung digitaler Inhalte haben die früher erfolgs- und machtverwöhnten Verlagsbosse dünnhäutig und aggressiv werden lassen. Zu Wochenbeginn hat nun Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen nachgelegt. Tenor: Facebook wäre zu einem Medienunternehmen geworden, das signifikant anders funktioniere – und vor allem keinerlei Verantwortung im Hinblick auf die Inhalte übernehme, kritisierte der Manager in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Montagausgabe).

Auch der Burda-Konzern bekommt – wie die gesamte etablierte Privatmedienbranche – die Auswirkungen der Internetkonkurrenz zu spüren. Deren Sogwirkung zieht vor allem jüngeres Massenpublikum an. Was also tun, wenn es brennt? Klar, man ruft nach dem Staat, der die Konkurrenz in die Mangel nehmen soll. Die auf große Medienhäuser zugeschnittene EU-Urheberrechtsänderung ist ein aktuelles Beispiel dafür. Die zuständigen Minister der Mitgliedsstaaten hatten es am Montag trotz fundierter Kritik durchgewinkt. Ohnehin scheint es Trend zu sein, die schmutzigen Geschäfte nach Brüssel zu delegieren.

Dennoch schießt Kallen hier – ebenso wie andere Spitzenmanager der Branche – mit Schrot auf die Gegnerschaft. Was die Großen dabei kaum juckt, ist für Tausende kleine Blogs und Meinungsportale vermutlich tödlich. Und wenn der Burda-Statthalter »Spielregeln« und »eine Regulierung« fordert, »damit die sozialen Netzwerke nicht unsere Gesellschaft unterspülen«, steht anscheinend Hannibal ante portas.

Kallen weiß, wie Macht und Machterhalt funktioniert. Deshalb wundert es kaum, dass er weiter Schutz einfordert, wenn er sagt: »Mit sozialen Netzwerken steinreich werden und ansonsten jede Verantwortung ablehnen, das finde ich problematisch. Deshalb muss der Gesetzgeber jetzt tätig werden. In Brüssel läuft das bereits, Facebook ist aber sehr widerspenstig.«

Letzteres stimmt. Aber Facebook ist deshalb widerspenstig, weil der Konzern enorm finanzstark ist. Und weil er im »amerikanischen Modus« daherkommt. Motto: Wir machen, was uns passt. So geht sie, die neoliberale Globalisierung unter imperialen US-Schutz.

Dabei keilt Washington seit gut zwei Jahren kräftig auch gegen die EU aus, um die Globalisierung vorteilhafter für die USA und dessen Großkapital werden zu lassen (Stichwort »Handelskonflikt«). Die EU hält da nur scheinbar dagegen. Obwohl die weltweit agierenden Plattformgiganten wie Facebook und Google (mit Youtube), aber auch Netflix, Amazon, Warner Media oder die Finanzgangster der New Yorker Megafonds prima Ziele böten, bei denen Konzerneuropa durchaus die Möglichkeit hat, auch der Trump-Administration wehzutun. Doch das traut sich keiner von denen. Wer möchte schon dem eigenen pubertierenden Nachwuchs mediale Highlights wie Game of Thrones vorübergehend vorenthalten? Also heißt es wohl: weiter jammern und auf die Kleinen einzuschlagen.

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