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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 16 / Sport

Wütende Gewinner

Von André Dahlmeyer
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Der Himmel über Limas »Estadio Olímpico de la Universidad Nacional Mayor de San Marcos«

Einen wunderschönen guten Morgen! Am Sonntag ging in Lima das 18. »Sudamericano Sub-17«, die Südamerikameisterschaft der U17-Junioren, mit dem Spiel zwischen Ecuador und Argentinien zu Ende. Seit 1985 gibt es diesen Wettbewerb des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol. Zum vierten Mal wurde er in Peru ausgetragen. Sämtliche Spiele fanden auf Kunstrasen in Limas »Estadio Olímpico de la Universidad Nacional Mayor de San Marcos« statt.

Nach dem Abpfiff sprach das Gesicht von Argentiniens Trainer Pablo Aimar Bände: Sein Team war zum vierten Mal Südamerikameister geworden, aber keiner von den »Pibes« (den Kleinen) mochte feiern. Aimar versammelte seine Jungs daraufhin in der Zone des Mittelkreises und richtete ernste Worte an sie. An seiner Seite gestikulierte der Star des Teams, der 16jährige Matías Palacios (Rückennummer zehn), wild in der Luft herum. Zufriedenheit sieht anders aus – die Jungs kochten vor Wut. Was nicht wirklich zum Turnierverlauf passte.

Als die Argentinier zum Auftakt eine 0:3-Klatsche gegen Uruguay kassierten, gratulierten sie ihren Bezwingern. Im letzten Spiel der Gruppenphase traf Aimars Truppe dann auf Brasilien. Nur ein Wunder, ein Sieg mit drei Toren Unterschied, konnte die Argentinier für die Schlussrunde der besten sechs – jeder gegen jeden, kein Finale, die Punkte entscheiden – qualifizieren. Und tatsächlich spielte Argentinien den zwölfmaligen Südamerikameister formvollendet an die Wand. Mittelstürmer Matías Godoy von Zweitligist Atlético de Rafaela hatte in der ersten Halbzeit per Strafstoß für die Führung gesorgt. Palacios, der bei San Lorenzo unter Vertrag steht, erhöhte in der 54. Minute mit einem Aufsetzer aus knapp 30 Metern auf 2:0. Ungelogen das beste Fußballspiel des Jahres 2019 – und die Spannung stieg weiter. Gern hätte ich auf meinen Nägeln herumgekaut, hatte sie aber gerade erst gestutzt. Würden die Kleinen den Sack zumachen?

Dann, in der 93. Spielminute, zirkelte Palacios einen Ball an den langen Pfosten, den der platinblonde Godoy im Rutschen von der Torauslinie ins Spiel zurück in den Fünfer beförderte. Dort lauerte Innenverteidiger Bruno Amione bugsierte den Balón lasziv über die Torlinie zum 3:0. Mein Torgebrüll muss die Katze, die mit mir zusammenlebt, an subtropischen Donner erinnert haben, sie flitzte in ihr Versteck unter der Spüle. Kurz zuvor hatte Amione einen Ball auf die Latte gesetzt, ein Schuss von Godoy war von drei Mini-Brasucas gemeinschaftlich von der Linie gekratzt worden.

Es blieb beim 3:0. Argentinien hatte sich damit nicht nur sensationell für die Schlussrunde qualifiziert, sondern sogar den ewigen Rivalen Brasilien aufgrund des Torverhältnisses aus dem Turnier bugsiert. Nach dem Spiel trösteten Aimars Jungs die Unterlegenen.

Vor dem Argentinien-Spiel am Sonntag hatten die gastgebenden Peruaner überraschend Uruguay durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 3:2 besiegt und bereits die Qualifikation für die November-WM in Brasilien gefeiert. Das erwies sich im Nachhinein als etwas verfrüht. Die Peruaner glaubten nicht daran, dass Ecuador mit drei Toren Differenz gegen Argentinien gewinnen könnte. Nach 48 Minuten gingen die Gauchos, die das Match bis dahin nach allen Belangen dominiert hatten, durch den dritten Turniertreffer von Palacios standesgemäß mit 1:0 in Führung. Was anschließend folgte, sorgte für viel Ärger, vor allem unter den Peruanern. Ecuador notierte binnen 18 Minuten vier Tore! Damit war der »Tricolor« milagrosamente qualifiziert – und Peru draußen. Noch ein weiteres Tor, und Chile wäre Südamerikameister gewesen. Zur WM fährt außerdem Paraguay.

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