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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 16 / Sport
Futsal

»Wir sind im Plan«

Futsal-Duell Österreich gegen Deutschland im Doppelpack
Von Oliver Rast
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Seit 2016 im Nationaldress: deutsche Futsalspieler (hier gegen England)

Die »Schmach von Cordoba«, der 3:2-Sieg Österreichs gegen die BRD während der Fußball-WM 1978 in Argentinien, wiederholte sich nicht für ein deutsches Team, knapp war es aber schon. Am vergangenen Freitag und Sonntag trafen die Futsal-Nationalteams des ÖFB und DFB aufeinander – ein Novum. 2:2 gingen jeweils die freundschaftlichen Wettkämpfe im Wiener Umland in Maria Enzersdorf aus.

Für die Österreicher waren es die ersten offiziellen Länderspiele ihres im April 2018 gegründeten Nationalteams. Die deutschen Futsalspieler agieren bereits seit 2016 im Nationaldress. Deutschland ist allenfalls Mittelmaß im internationalen Vergleich, rangiert auf der FIFA-Weltrangliste auf Platz 58 von 109 Nationen und qualifizierte sich noch nie für eine WM. Die WM 2020 in Litauen ist das erklärte Ziel des DFB. Österreich ist als Newcomer noch gar nicht plaziert.

Der DFB sagt gegenüber jW anerkennend: »Österreich hat einen guten Kader aufgeboten«, und es habe sich gezeigt, dass der ÖFB bereits seit einigen Jahren einen guten Spielbetrieb auf Bundesebene organisiere. Stefan Gogg, Leiter Breitenfußball des ÖFB, sieht auf jW-Nachfrage Futsal in der Alpenrepublik in einem Entwicklungsprozess: »Die Nationalmannschaft muss sich erst an das hohe internationale Niveau herantasten.«

»Futebol de Salão«, in Brasilien entstanden, wurde 1989 als Hallenfußballvariante durch den Weltverband FIFA anerkannt. Der Ball im Futsal ist kleiner und schwerer als der beim Feldfußball. Gespielt wird auf Parkett mit Handballtoren. Vier Feldspieler plus Torwart. Zweimal 20 Minuten Spielzeit, netto. Typisch für den Budenzauber ohne Bande: scharfe Haken, schnelle Drehungen, Kurzpassspiel, Dribblings, Tacklings.

Mehr als ein Randsport? DFB: »Futsal wird auf der ganzen Welt von Millionen Menschen gespielt.« Wenngleich in Deutschland nicht in Massen. Die Zahl der Aktiven steige aber auch hierzulande. Auch Gogg zeigt sich optimistisch: »Wir sind im Plan.« Rückenwind und Akzeptanz für die Sportart komme durch das Nationalteam. Noch ist der deutsch-österreichische »Klassiker« im Futsal aber kein Zuschauermagnet. Einige hundert in der Halle, eine aktive Fanszene mit Choreographien fehlt.

Futsal ist taktikbetont. Das deutsche Team unter ihrem niederländischen Trainer Marcel Loosveld bevorzugt das 3-1-Spielsystem, offensiv und kombinationsreich mit einer Absicherung nach hinten. Die Auswahl Österreichs mit Coach Patrik Barbic tritt im 2-2-Spielsystem robuster auf. Paarweise agieren seine Akteure vorne und hinten auf einer Linie, schießen öfter aus der zweiter Reihe.

Blitztore in Halbzeit eins und zwei bringen die Österreicher beim Premierenspiel am Freitag nachmittag in Führung. Die Deutschen können durch einen Doppelschlag nach der Halbzeit ausgleichen. Ein munteres Spiel mit vielen Aluminiumtreffern.

Im zweiten Match am Sonntag mittag führt das Barbic-Team bis wenige Minuten vor Schluss mit 1:0. Loosveld nimmt eine Auszeit, schickt für das Überzahlspiel einen »Flying Goalkeeper« aufs Feld. Ein offener Schlagabtausch folgt. Ausgleich. Selbst der Kommentator auf DFB TV wird emotional: »Man will jetzt den Sieg.« Kurz danach sogar die deutsche Führung, die wenige Sekunden später egalisiert wird. Das Spiel ist aus. »Wir sind über das Ergebnis enttäuscht«, resümiert Loosveld gegenüber sid, »aber nach dem Spielverlauf ist ein 2:2 gerechtfertigt.« Barbic auf platzverweis.at: »Wir nehmen viele Emotionen mit, der Sport ist einfach geil.«

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