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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 8 / Ansichten

Kampagnero des Tages: Frank Müller-Rosentritt

Von Michael Merz
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Ein Mann für »besondere Ressentiments«: Frank Müller-Rosentritt

Schon mal von Frank Müller-Rosentritt gehört? Nein? Bundestagsabgeordnete werden ihn derzeit näher kennenlernen. Denn der FDP-Politiker tingelt gerade durch deren Büros, um für eine Ini­tiative zu trommeln, die die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) diffamieren soll. Diese sei »größtenteils klar antisemitisch«, heißt es in einem Antrag seiner Fraktion, der parteiübergreifend beschlossen werden soll und über den die Süddeutsche Zeitung berichtet. BDS-Aktivisten dämonisierten demnach Israelis »in verschwörungstheoretischer Art und Weise«. Wer solche Geschütze auffährt, der hält nichts von Kritik an der Besatzungspolitik oder der möglichen Annexion des Westjordanlandes. Angebracht ist diese für Müller-Rosentritt, wenn es um die Zahl der UN-Resolutionen gegen Israel geht.

Äußerst schmallippig hatte der FDP-Mann auch auf die Neonazirandale in seinem Wahlkreis Chemnitz im Spätsommer des vergangenen Jahres reagiert. Es gebe eben »besondere Ressentiments« in Sachsen, sagte er dem Deutschlandfunk im August 2018. »Nicht nur der rechte Mob« sei das gewesen, sondern »spontan ganz viele Bürger, die sich auf der Straße versammelt haben, um einfach ein Zeichen dafür zu setzen, dass sich irgend etwas ändern muss«. Und gab das Raunen dieser Leute wieder, »dass Ausländer vielleicht nicht so verfolgt werden würden wie Deutsche«. Aha. Im Januar 2019 äußerte sich Müller-Rosentritt dann auch in der Jüdischen Allgemeinen zum Überfall auf das Restaurant »Schalom« in Chemnitz, fand aber ganz schnell den Dreh zu »arabischen Mitbürgern« und ihrem vermeintlichen Antisemitismus. Welchen Erfolg die Kampagne Müller-Rosentritts und seiner FDP haben wird, ist nicht ausgemacht. Einer jedenfalls würde den Antrag sofort unterschreiben. Es sei bedauerlich, wenn Die Linke ausgeschlossen werde, so Stefan Liebich laut SZ.

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