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Aus: Ausgabe vom 16.04.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
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Streikfreudig zu Ostern

Amazon-Beschäftigte legen an mehreren Standorten Arbeit nieder. Ausweitung »jederzeit« möglich
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Auf ein Neues: Ein Amazon-Mitarbeiter in Werne trägt eine Weste, mit der Aufschrift: »Für bessere Tarife.«

Die Gewerkschaft Verdi hat rund um das Ostergeschäft Streiks beim Onlinehändler Amazon angekündigt. An den Standorten Rheinberg und Werne in Nordrhein-Westfalen legten die Beschäftigten bereits in der Nacht zum Montag die Arbeit nieder, die Streiks sollen bis Donnerstag andauern, wie Verdi am Montag mitteilte. Im hessischen Bad Hersfeld sollte die Arbeit bis Dienstag ruhen. Auch in Koblenz in Rheinland-Pfalz gingen die Beschäftigten am Montag in den Ausstand.

Bestreikt wird damit das Geschäft vor den Osterfeiertagen, und auch an anderen Standorten könne es in dieser Phase »jederzeit zu Arbeitsniederlegungen kommen«, hieß es weiter von der Dienstleistungsgewerkschaft. Seit Jahren fordert Verdi eine Bezahlung der Beschäftigten des Onlineriesen nach den Tarifen des Einzelhandels. Amazon lehnt dies bislang ab und betont immer wieder, es werde gezahlt, was für vergleichbare Tätigkeiten in der Logistikbranche üblich sei. »Die Beschäftigten geben nicht auf«, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger zu der neuen Streikrunde. »Sie wollen damit auch die Willkür eines Handelsunternehmens beenden, das seine Beschäftigten mit Arbeitshetze und umfassenden Kontrollen unter Druck setzt.« Sie treten auch weiterhin ein für ihr Recht auf einen Tarifvertrag. Dieser sei ein »Zeichen für Respekt und Anerkennung der Arbeit«.

Amazon teilte mit, die Osterbestellungen der Kunden würden ankommen, die »lokalen Streiks an vereinzelten Standorten« hätten »keinerlei Auswirkungen«. Die Konzernleitung erklärte, Amazon sei ein »fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber«. Mitarbeiter würden gut behandelt und erhielten »attraktive Löhne«. In Deutschland liegen die Einstiegsgehälter demnach bei 10,78 Euro brutto pro Stunde. Nach 24 Monaten seien es im Durchschnitt 2.397 Euro brutto im Monat. Die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten arbeite »völlig normal«, lediglich ein kleiner Teil der Belegschaft beteilige sich an dem Ausstand, hieß es weiter.

Der Konzern muss einen weiteren Dämpfer hinnehmen. Die Drogeriemarktkette »Rossmann« beendet ihre Zusammenarbeit mit dem Onlinehändler nach knapp zwei Jahren. »Die Kunden gehen lieber in die Märkte und wollen keinen Aufpreis zahlen, um sich die Sachen ins Büro liefern zu lassen«, sagte der designierte Chef des Unternehmens, Raoul Roßmann, der Süddeutschen Zeitung (Montagausgabe). Die »spezielle Art der ultraschnellen Zustellung nach Bestellung« sei »von unseren Kunden nicht nachgefragt« worden, so der Sohn des Drogeriemarktgründers Dirk Roßmann. Die Kette und Amazon hatten ihre Kooperation im August 2017 bekanntgegeben. (AFP/jW)

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