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Aus: Ausgabe vom 15.04.2019, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Mainz hatte zuletzt Freiburg mit 5:0 versenkt, konnte also schlecht als Gurkentruppe fehleingeschätzt werden. Dennoch wirkte Dortmund zunächst sehr aufgeräumt und zog sein schnelles Passspiel auf, ließ die Mainzer laufen, und manchmal gelangen sogar schnelle Vorstöße zur Grundlinie, von der Pässe in den Rückraum für gefährliche Situationen sorgten. Als endlich auch mal ein langer Pass in die Tiefe beim BVB-Stürmer Götze ankam, weil ein Mainzer sich verschätzte, schlug Götze eine millimetergenaue Flanke in den Strafraum, wo Sancho souverän verwandelte. Das war schön anzusehen, genau so wenig später der schnelle Vorstoß von Delaney und sein Rückpass auf Sancho, dessen Direktabnahme unhaltbar ins Tor abgefälscht wurde.

Obwohl man auf alles gefasst sein musste und dieser Spielverlauf keinesfalls selbstverständlich war, fing ich an, mich zu entspannen – zu früh, denn in der zweiten Halbzeit drehte Mainz auf und ließ die Dortmunder nicht länger einfach spielen, sondern setzten sie unter Druck. Schon wackelten die Borussen. Es eröffneten sich zwar ein paar Konterchancen, aber häufig gingen die Dortmunder kein Risiko ein, sondern brachen den Angriff ab, um sich auf Ballkontrolle zu beschränken, was aber die Gegner immer weniger zuließen. Es war offensichtlich, wie fragil das Dortmunder Mannschaftsgebilde ist, wie anfällig gegen kämpferische und laufstarke Mannschaften. Wenn eine solche Mannschaft auch noch spielerisches Vermögen besitzt, geraten die Dortmunder wie zuletzt in München eben unter die Räder.

Zum Glück ist Mainz in dieser Hinsicht etwas limitiert, aber sie hätten den Ausgleich noch geschafft, hätten sie noch ein paar Minuten mehr Zeit dazu gehabt. Immer mehr gerieten die Dortmunder ins Schwimmen, und die Einwechslung Topraks zur Stabilisierung der Abwehr schien ein schlechtes Omen, denn als Favre ihn zuletzt deshalb einwechselte, kassierte Dortmund in der Schlussphase gegen Hoffenheim noch zwei Tore.

Im heillosen Chaos im Dortmunder Strafraum landete der Ball in Bürkis Armen, der zwar immer noch keine Abstöße kann, aber auf der Linie sensationell hält. Außerdem konnte Gladbach mal wieder punkten und zwar bei den Absteigern in Hannover, die es den anderen Borussen erstaunlich schwer machten. Leipzig eilt von Sieg zu Sieg, diesmal gegen Wolfsburg, und ist den Dortmundern weiterhin auf den Fersen. Auch Bremen holte wieder drei Punkte, diesmal gegen Freiburg, wie überhaupt alle Mannschaften auf den internationalen Plätzen gewonnen haben, weshalb der Sieg des BVB ein reiner Pflichtsieg war, mit dem man einfach nur den Abstand zu den Konkurrenten gehalten hat, doch es sind immer noch 15 Punkte im Topf.

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